SERPs

Picture of Ferenc Collinet
Ferenc Collinet

Wer heute etwas sucht, gibt es bei Google ein. Was dann erscheint, nennen wir die „SERP“ – die Search Engine Results Page. Auf den ersten Blick wirkt sie oft wie eine einfache Liste von Antworten. Doch für Marketing-Manager, Gründer und KMUs ist sie viel mehr als das: Sie ist eine Schatzkarte.

Die SERP verrät Ihnen nicht nur, wer Ihre Konkurrenten sind. Sie zeigt Ihnen exakt, was Google als die beste Antwort auf eine Suchanfrage betrachtet. Wer gelernt hat, die verschiedenen Elemente und Features einer SERP richtig zu lesen, muss beim Content-Marketing nicht mehr raten. Sie wissen genau, welches Format, welche Tiefe und welche Inhalte nötig sind, um sichtbar zu werden.

In diesem Artikel zerlegen wir die Suchergebnisseite in ihre Einzelteile. Wir zeigen Ihnen, was hinter den kryptischen Begriffen wie „Featured Snippet“ oder „Local Pack“ steckt und wie Sie diese Informationen nutzen, um Ihre SEO-Strategie auf ein neues Level zu heben.

Dies ist ein Teil unserer Serie über SEO-Grundlagen.

Was ist eine SERP? (Definition + warum sie sich unterscheidet)

SERP ist das Akronym für Search Engine Results Page. Es bezeichnet die Seite, die eine Suchmaschine wie Google, Bing oder Yahoo anzeigt, nachdem ein Nutzer eine Suchanfrage (Query) eingegeben hat.

Früher war die Definition einfach: Eine SERP bestand aus zehn blauen Links, zehn kurzen Beschreibungstexten und vielleicht ein paar Werbeanzeigen am Rand. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute ist die SERP eine dynamische, visuelle und hochkomplexe Oberfläche.

Warum sieht jede SERP anders aus?
Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass die Suchergebnisse für „Pizzeria in der Nähe“ völlig anders aussehen als für „Wie bindet man eine Krawatte“. Das liegt daran, dass Google versucht, die Suchintention des Nutzers bestmöglich zu bedienen.

  • Bei der Pizzeria-Suche ist der Standort entscheidend → Google zeigt eine Karte (Local Pack).
  • Bei der Krawatten-Frage ist eine visuelle Anleitung hilfreich → Google zeigt Bilder oder ein Video.
  • Bei einer Kaufabsicht wie „Laufschuhe kaufen“ → Google zeigt Shopping-Anzeigen.

Keine zwei SERPs sind gleich. Sie variieren je nach Suchbegriff, Standort des Nutzers, verwendetem Gerät (Desktop vs. Mobile) und sogar der bisherigen Suchhistorie. Für Sie bedeutet das: Bevor Sie Inhalte erstellen, müssen Sie die spezifische SERP für Ihr Ziel-Keyword analysieren. Sie ist der Spiegel dessen, was Google von Ihnen erwartet.

Klassische Elemente (Title, URL, Meta)

Auch wenn die SERP heute bunt und vielfältig ist, bilden die klassischen organischen Suchergebnisse immer noch das Rückgrat. Ein Standard-Suchergebnis (Snippet) besteht aus drei Kernkomponenten, die Sie direkt beeinflussen können:

  1. Der Title Tag (Seitentitel):
    Das ist die klickbare, blaue (oder violette) Überschrift. Der Title Tag ist einer der wichtigsten Rankingfaktoren und der erste Kontaktpunkt mit dem Nutzer. Er muss das Thema präzise treffen und zum Klicken anregen. Wenn er zu lang ist, schneidet Google ihn ab (erkennbar an den drei Punkten „…“).
  2. Die URL (Webadresse):
    Sie steht meist grün oder grau über oder unter dem Titel. Eine sprechende URL (z. B. seite.de/seo/serp-erklaert) hilft dem Nutzer und Google, das Thema der Seite sofort einzuordnen, im Gegensatz zu kryptischen URLs wie seite.de/?p=123.
  3. Die Meta Description (Beschreibung):
    Das ist der kurze Textblock unter dem Titel. Wichtig zu wissen: Die Meta Description ist kein direkter Rankingfaktor. Aber sie ist entscheidend für die CTR (Click-Through-Rate). Sie fungiert als Ihr „Schaufenstertext“. Eine gute Description fasst den Inhalt zusammen und enthält idealerweise eine Handlungsaufforderung (Call-to-Action).

Profi-Tipp: Google übernimmt nicht immer die von Ihnen geschriebene Meta Description. Wenn der Algorithmus glaubt, dass ein anderer Textauszug von Ihrer Seite die Suchanfrage des Nutzers besser beantwortet, tauscht er die Description dynamisch aus. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen – eine gepflegte Meta Description ist dennoch Pflicht.

Die moderne SERP ist voll von sogenannten „SERP-Features“. Das sind spezielle Elemente, die über die klassischen organischen Links hinausgehen und dem Nutzer oft direkt auf der Ergebnisseite eine Antwort liefern (Zero-Click-Searches) oder ihn visuell leiten.

Hier sind die wichtigsten Features, die Sie kennen müssen:

Das Featured Snippet ist der „Heilige Gral“ für viele SEOs. Es ist eine hervorgehobene Box oberhalb der regulären Suchergebnisse, die eine direkte Antwort auf die Frage des Nutzers liefert.

  • Formate: Textabsatz, Liste (Nummeriert oder Bullet Points), Tabelle oder Video.
  • Bedeutung: Wer hier steht, genießt maximale Sichtbarkeit und Autorität. Oft wird das Featured Snippet aus den Top-5-Suchergebnissen gezogen.
  • Strategie: Strukturieren Sie Ihre Antworten auf W-Fragen („Was ist…“, „Wie funktioniert…“) klar und prägnant in einem Absatz von ca. 40–60 Wörtern.

2. People Also Ask (PAA) / Ähnliche Fragen

Dieses Feature zeigt eine Box mit verwandten Fragen, die Nutzer ebenfalls stellen. Klickt man auf eine Frage, klappt die Antwort auf (oft wieder als Snippet einer anderen Seite) und weitere Fragen laden nach.

  • Bedeutung: PAA ist eine Goldgrube für die Content-Recherche. Es zeigt Ihnen genau, welche Teilaspekte eines Themas für Nutzer relevant sind.
  • Strategie: Nutzen Sie diese Fragen als Zwischenüberschriften (H2 oder H3) in Ihren Artikeln oder erstellen Sie eine FAQ-Sektion, um auch für diese Long-Tail-Fragen gefunden zu werden.

3. Local Pack (Map Pack)

Bei Suchanfragen mit lokalem Bezug (z. B. „Steuerberater Stuttgart“ oder einfach „Bäcker“) zeigt Google eine Karte mit drei markierten Unternehmensprofilen, inklusive Bewertungen, Adresse und Öffnungszeiten.

  • Bedeutung: Für lokale Unternehmen ist dies oft wichtiger als das klassische Ranking.
  • Strategie: Ein optimiertes Google Unternehmensprofil (ehemals Google My Business) und konsistente Adressdaten (NAP: Name, Address, Phone) im Netz sind hier der Schlüssel.

4. Knowledge Panel

Ein Informationskasten, der (auf dem Desktop) meist rechts neben den Suchergebnissen erscheint. Er enthält Fakten zu bekannten Personen, Unternehmen, Orten oder Dingen.

  • Quelle: Die Daten stammen oft aus dem Knowledge Graph von Google, Wikipedia oder Wikidata.
  • Bedeutung: Es schafft Vertrauen und Brand-Awareness, ist aber schwer direkt zu beeinflussen.

5. Video-Karussells und Bilder-Packs

Visuelle Elemente werden immer wichtiger. Bei „How-to“-Anfragen oder produktbezogenen Suchen blendet Google oft eine Reihe von YouTube-Videos oder eine Bildergalerie ein.

  • Bedeutung: Wenn Sie in der SERP Videos sehen, ist das ein klares Signal: Text allein reicht hier vielleicht nicht aus.

Unterhalb Ihres Haupt-Suchergebnisses werden manchmal bis zu sechs weitere Links zu Unterseiten Ihrer Website angezeigt.

  • Bedeutung: Sie nehmen mehr Platz auf der SERP ein und führen Nutzer direkt zu wichtigen Bereichen (z. B. „Preise“, „Kontakt“, „Blog“).
  • Strategie: Sie können Sitelinks nicht erzwingen, aber eine klare Seitenstruktur und gute interne Verlinkung helfen Google, diese zu generieren.

SERP als Entscheidungsgrundlage: Format, Tiefe, Trust-Signale

Wir haben gelernt: Die SERP lügt nicht. Sie ist das Ergebnis von Millionen von Nutzerinteraktionen, die Google ausgewertet hat. Statt Inhalte nach Bauchgefühl zu erstellen, sollten wir die SERP als Analysetool nutzen.

So leiten Sie konkrete Handlungsanweisungen ab:

1. Das richtige Content-Format wählen

Bevor Sie einen Text schreiben, schauen Sie sich die SERP an.

  • Sehen Sie viele Videos? Dann brauchen Sie wahrscheinlich Bewegtbild oder zumindest viele Screenshots in Ihrem Artikel.
  • Sehen Sie viele Tabellen oder Listen (Featured Snippets)? Dann strukturieren Sie Ihre Inhalte entsprechend.
  • Sehen Sie Produktbilder (Shopping Ads)? Dann ist die Suchintention transaktional – ein reiner Blogtext wird es schwer haben.

Ein häufiger Fehler ist, gegen das Format der SERP anzuschreiben. Wenn Google für „Beste CRM Software“ ausschließlich Vergleichstabellen und Listen anzeigt, werden Sie mit einer reinen Textwüste kaum ranken.

2. Die nötige inhaltliche Tiefe bestimmen

Klicken Sie auf die Top-3-Ergebnisse. Wie lang sind die Texte? Wie tief gehen sie ins Detail?

  • Wenn die Top-Ergebnisse 3.000 Wörter lange Guides sind, werden Sie mit 500 Wörtern kaum eine Chance haben.
  • Sind die Ergebnisse hingegen kurz und knapp (z. B. bei einer Definition), kann ein zu langer Text sogar schaden, weil er die schnelle Antwort verzögert.

3. Trust-Signale und Wettbewerb einschätzen

Schauen Sie sich an, wer rankt.

  • Sind die Top-Plätze von riesigen Marken wie Amazon, Wikipedia oder großen Fachportalen belegt? Dann ist das Keyword hart umkämpft.
  • Sehen Sie Forenbeiträge (z. B. Reddit, Gutefrage) oder kleinere Nischenseiten auf Seite 1? Das ist oft eine Lücke! Hier signalisiert Google: „Wir haben keine perfekte Antwort von einer Autorität, also zeigen wir das hier.“ Das ist Ihre Chance, mit besserem Content und Rankingfaktoren wie E-E-A-T zu punkten.

Mini-Checkliste für SERP-Analyse

Machen Sie es sich zur Gewohnheit: Kein Content-Piece entsteht ohne vorherigen Blick auf die SERP. Diese 5-Minuten-Analyse spart Ihnen später Stunden an Optimierungsarbeit.

Nutzen Sie dafür ein Inkognito-Fenster, um personalisierte Ergebnisse zu vermeiden.

Schritt 1: Features scannen

  • Gibt es ein Featured Snippet? (Wenn ja: Welches Format? Liste, Tabelle, Text?)
  • Gibt es eine „Ähnliche Fragen“ (PAA) Box? (Notieren Sie die Fragen!)
  • Gibt es ein Local Pack? (Ist der Intent lokal?)
  • Gibt es Videos oder Bilder?

Schritt 2: Dominierendes Format identifizieren

  • Sind die Top-Ergebnisse Ratgeber/Blogartikel? (Informational)
  • Sind es Produkt- oder Kategorieseiten? (Transactional)
  • Sind es Rechner oder Tools?
  • Sind es Vergleichsseiten?

Schritt 3: Lücken suchen

  • Beantworten die Top-Treffer die Frage wirklich gut?
  • Sind die Inhalte aktuell oder veraltet (Datum im Snippet prüfen)?
  • Fehlt ein Format, das hilfreich wäre (z. B. eine Grafik oder ein Video, obwohl keines angezeigt wird)?

Indem Sie diese Punkte abhaken, erstellen Sie keinen Content ins Blaue hinein, sondern liefern genau das Puzzleteil, das Google in seinem Suchergebnis noch fehlt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum zeigt Google manchmal kein Snippet (Meta Description) von mir an?
Google entscheidet bei jeder Suchanfrage neu, welcher Textauszug für den Nutzer am relevantesten ist. Wenn Ihre hinterlegte Meta Description das gesuchte Keyword nicht enthält oder die Frage des Nutzers nicht direkt beantwortet, bedient sich Google oft am Fließtext Ihrer Seite. Das ist kein Fehler, sondern ein Zeichen dafür, dass Sie Ihre Description vielleicht noch präziser auf die Suchanfrage zuschneiden könnten.

Was ist PAA (People Also Ask)?
PAA steht für „People Also Ask“ (auf Deutsch: „Ähnliche Fragen“). Es ist ein dynamisches SERP-Feature, das Fragen anzeigt, die thematisch zur ursprünglichen Suche passen. Für SEOs ist das PAA-Box-Feature extrem wertvoll, um die Struktur von Artikeln zu planen und sicherzustellen, dass man ein Thema ganzheitlich abdeckt.

Was bedeutet Local Pack?
Das Local Pack (oder Map Pack) ist die prominente Kartendarstellung mit meist drei Unternehmensvorschlägen. Es erscheint immer dann, wenn Google eine lokale Suchabsicht vermutet. Für lokale Dienstleister ist das Erscheinen im Local Pack oft wertvoller als ein Platz in den organischen Link-Ergebnissen darunter, da es auf mobilen Geräten fast den gesamten Bildschirm einnimmt.

Sind Rich Results immer gut?
In der Regel ja. Rich Results (Ergebnisse, die durch strukturierte Daten mit Sternchen-Bewertungen, Bildern, Preisen etc. angereichert sind) ziehen mehr Aufmerksamkeit auf sich und erhöhen meist die Klickrate (CTR). Es gibt jedoch eine Ausnahme: Wenn ein Ergebnis zu viele Informationen direkt in der SERP liefert (z. B. eine komplette Antwort im Featured Snippet), kann es passieren, dass der Nutzer gar nicht mehr klickt (Zero-Click). Dennoch ist die Sichtbarkeit und der Markenaufbau durch diese Position meist den „Klickverlust“ wert.


Die SERP zu verstehen, ist wie das Erlernen einer Sprache. Wenn Sie die Zeichen richtig deuten, hören Sie auf, gegen den Algorithmus zu kämpfen, und fangen an, ihm genau das zu geben, was er sucht. Das Ergebnis: bessere Rankings, stabilere Positionen und mehr qualifizierte Besucher auf Ihrer Seite.