Stellen Sie sich vor, Sie suchen online nach Informationen zu einer Geldanlage. Sie stoßen auf einen Artikel, der Ihnen riesige Gewinne verspricht, aber der Autor ist anonym, es gibt keine Quellen und die Website sieht aus wie schnell zusammengebastelt. Würden Sie Ihr hart verdientes Geld auf Basis dieser Informationen investieren? Sicher nicht.
Google denkt genauso. Die Suchmaschine hat eine besondere Verantwortung, Nutzer vor schädlichen, irreführenden oder einfach nur falschen Informationen zu schützen, besonders wenn es um wirklich wichtige Lebensbereiche geht. Genau hier kommt das Konzept „YMYL“ ins Spiel. Es ist keine technische Einstellung, sondern ein Qualitätsprinzip, das die Spielregeln für bestimmte Themen komplett verändert.
Wenn Sie in einer Branche tätig sind, die unter YMYL fällt, müssen Sie verstehen, dass für Sie eine höhere Messlatte gilt. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, was YMYL genau bedeutet, welche Themen betroffen sind und mit welcher Checkliste Sie sicherstellen, dass Ihre Inhalte das Vertrauen von Nutzern und Google verdienen.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zu den SEO-Grundlagen.
Was ist YMYL?
YMYL ist die Abkürzung für „Your Money or Your Life“. Der Begriff stammt direkt aus den Quality Rater Guidelines von Google. Das sind die Handbücher für die menschlichen Tester, die die Qualität der Suchergebnisse bewerten.
YMYL beschreibt Themen, die das Glück, die Gesundheit, die finanzielle Stabilität oder die Sicherheit einer Person maßgeblich beeinflussen können. Bei diesen Themen sind Falschinformationen nicht nur ärgerlich, sondern potenziell gefährlich.
Denken Sie an den Unterschied:
- Ein schlechter Tipp zur Reinigung einer Kaffeemaschine ist ärgerlich.
- Ein schlechter Tipp zur Dosierung eines Medikaments oder zur Altersvorsorge kann katastrophale Folgen haben.
Deshalb legt Google bei YMYL-Themen die Qualitätsstandards extrem hoch an. Seiten, die in diesen Bereichen Inhalte veröffentlichen, werden viel strenger geprüft. Es geht darum, das Risiko für den Nutzer zu minimieren. Wer hier ranken will, muss beweisen, dass er vertrauenswürdig, kompetent und verantwortungsbewusst ist.
Typische YMYL-Kategorien (mit Beispielen)
Die Definition von YMYL ist recht breit. Google listet in seinen Guidelines mehrere Hauptkategorien auf. Wenn Ihr Unternehmen in einen dieser Bereiche fällt, sollten Sie hellhörig werden.
1. Gesundheit & Sicherheit
Dies ist die offensichtlichste Kategorie. Jeder Inhalt, der medizinische Ratschläge gibt, Symptome beschreibt oder über Krankheiten, Medikamente und psychische Gesundheit informiert, ist YMYL.
- Beispiele: Blogartikel über „Was hilft gegen Bluthochdruck?“, Ratgeber zu psychischen Erkrankungen, Informationen über Impfungen, Seiten von Krankenhäusern und Apotheken.
2. Finanzen
Alles, was mit Geld zu tun hat, wird kritisch beäugt. Das betrifft Ratschläge zu Investitionen, Altersvorsorge, Krediten, Versicherungen oder Steuern.
- Beispiele: Ein Ratgeber zum Aktienkauf, ein Vergleich von Baufinanzierungen, ein Artikel über die betriebliche Altersvorsorge (bAV), Tools zur Steuerberechnung.
3. Recht & Bürgerkunde
Informationen über rechtliche Prozesse, Bürgerrechte oder staatliche Verfahren sind ebenfalls sensibel. Falsche Ratschläge können zu rechtlichen Nachteilen führen.
- Beispiele: Anleitungen zur Erstellung eines Testaments, Informationen zum Scheidungsrecht, Artikel über Abstimmungsprozesse oder soziale Leistungen.
4. Nachrichten & aktuelle Ereignisse
Besonders bei wichtigen Nachrichten über Politik, Wissenschaft oder Katastrophen ist die Genauigkeit entscheidend, um die Verbreitung von Fake News zu verhindern.
5. Personengruppen
Seiten, die sich mit Informationen über Personengruppen basierend auf ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, Nationalität etc. befassen, fallen ebenfalls unter YMYL, da hier Diskriminierung und Hassrede ein Risiko darstellen.
6. E-Commerce & Online-Shopping
Auch wenn es überraschend klingt: Seiten, auf denen Nutzer Geld ausgeben und persönliche Daten (wie Kreditkarteninformationen) eingeben, sind eine Form von YMYL. Nutzer müssen darauf vertrauen können, dass ihre Daten sicher sind und sie die bestellte Ware erhalten.
Die Kernfrage lautet immer: Wie hoch ist das potenzielle Risiko für den Nutzer, wenn die Informationen auf dieser Seite falsch, veraltet oder irreführend sind? Je höher das Risiko, desto strenger die YMYL-Anforderungen.
Was ändert sich für Content & SEO konkret?
Wenn Sie YMYL-Content erstellen, reicht es nicht, einfach nur gute Texte zu schreiben. Sie müssen Vertrauen aufbauen und beweisen. Die Anforderungen an Qualität und Transparenz sind deutlich höher. Das schlägt sich in vier Kernbereichen nieder:
1. Die Messlatte für E-E-A-T ist extrem hoch
Das Konzept von E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trust) wird bei YMYL-Themen von einer Empfehlung zur Pflicht. Google will sehen, dass der Inhalt von echten Experten mit nachweisbarer Qualifikation stammt.
- Praktisch bedeutet das: Anonyme Blogposts sind ein No-Go. Sie brauchen Autoren mit Namen, Bild und Biografie. Ein Finanzartikel sollte von einem zertifizierten Finanzberater stammen, ein medizinischer Text von einem Arzt.
2. Genauigkeit und Quellen sind nicht verhandelbar
Sie können nicht einfach Behauptungen aufstellen. Jede wichtige Aussage muss belegbar sein.
- Praktisch bedeutet das: Verlinken Sie auf seriöse Quellen wie wissenschaftliche Studien, offizielle Regierungsseiten oder anerkannte Fachportale. Ein Disclaimer wie „Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung“ ist wichtig, entbindet Sie aber nicht von der Pflicht zur Sorgfalt.
3. Aktualität ist ein entscheidender Faktor
Veraltete Informationen können bei YMYL-Themen gefährlich sein. Ein Artikel über Steuergesetze von 2019 ist heute wertlos oder sogar schädlich.
- Praktisch bedeutet das: Sie müssen Ihre Inhalte regelmäßig überprüfen und aktualisieren. Ein „Zuletzt aktualisiert am…“-Datum schafft Transparenz und Vertrauen.
4. Transparenz und Verantwortlichkeit sind das A und O
Nutzer müssen sofort erkennen können, wer für die Website und die Inhalte verantwortlich ist.
- Praktisch bedeutet das: Eine detaillierte „Über uns“-Seite, leicht auffindbare Kontaktinformationen (Telefonnummer, Adresse) und ein vollständiges Impressum sind Pflicht.
Ein Beispiel: Ein Blog, der Kaffeemaschinen testet, kann von einem Hobby-Enthusiasten betrieben werden. Seine persönliche Erfahrung reicht als E-E-A-T-Signal. Ein Blog, der Anlagestrategien empfiehlt, muss hingegen von einem Finanzexperten mit nachweisbaren Qualifikationen geschrieben und mit verlässlichen Daten untermauert werden.
Praktische Checkliste für YMYL-Seiten
Gehen Sie Ihre wichtigsten Seiten durch und prüfen Sie, ob Sie die folgenden Punkte erfüllen. Jeder Haken ist ein starkes Signal für Vertrauen an Google und Ihre Nutzer.
- [ ] Eindeutiger Autor: Hat jeder Artikel einen klar erkennbaren Autor mit Namen, Bild und einer kurzen Biografie, die seine Expertise für das Thema belegt?
- [ ] Nachweisbare Expertise: Werden die Qualifikationen des Autors (z. B. „Facharzt für Innere Medizin“, „zertifizierter Finanzplaner (IHK)“) genannt? Gibt es Links zu Profilen auf LinkedIn oder Fachportalen?
- [ ] Seriöse Quellen: Sind alle Fakten, Zahlen und wichtigen Behauptungen mit Links zu seriösen, externen Quellen belegt?
- [ ] Vier-Augen-Prinzip: Wurde der Inhalt von einer zweiten fachkundigen Person überprüft? Ein Hinweis wie „Medizinisch geprüft von Dr. med. Max Mustermann“ schafft enormes Vertrauen.
- [ ] Aktualitätsdatum: Zeigt die Seite an, wann der Inhalt zuletzt überprüft und aktualisiert wurde?
- [ ] Volle Transparenz: Gibt es eine ausführliche „Über uns“-Seite, die das Unternehmen, das Team und die Mission vorstellt?
- [ ] Leichte Erreichbarkeit: Sind eine Telefonnummer, eine physische Adresse und eine E-Mail-Adresse leicht zu finden?
- [ ] Klare Disclaimer: Gibt es bei Finanz- oder Gesundheitsthemen einen klaren Hinweis, dass der Inhalt eine professionelle Beratung nicht ersetzt?
Wenn Sie bei diesen Punkten Lücken entdecken, haben Sie klare Ansatzpunkte, um die Vertrauenswürdigkeit und damit das SEO-Potenzial Ihrer YMYL-Inhalte massiv zu verbessern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist E-Commerce immer YMYL?
Ja, im Grunde schon. Sobald ein Nutzer Geld über Ihre Seite transferiert oder persönliche Daten eingibt, betreten Sie YMYL-Territorium. Vertrauenssignale wie SSL-Verschlüsselung (HTTPS), sichere Zahlungsmethoden, klare Rückgabebedingungen und transparente Verkäuferinformationen sind hier entscheidend.
Sind Rechtsblogs immer YMYL?
Absolut. Juristische Ratschläge können weitreichende Konsequenzen haben. Ein Blog, der von einem Anwalt mit ausgewiesener Spezialisierung betrieben wird, hat hier einen klaren Vorteil gegenüber einer anonymen Seite.
Muss ich wirklich für alles Quellen angeben?
Für jede spezifische, faktenbasierte Behauptung, die nicht als Allgemeinwissen gilt: Ja. Wenn Sie schreiben „Studien zeigen, dass…“, müssen Sie diese Studien verlinken. Das beweist nicht nur Ihre Sorgfalt, sondern hilft auch dem Nutzer, sich weiter zu informieren.
Muss wirklich ein Experte jeden Artikel prüfen?
Bei hochsensiblen YMYL-Themen ist es dringend zu empfehlen. Es ist das stärkste Signal für Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein, das Sie senden können. Für Ihr Unternehmen ist es zudem eine Absicherung gegen die Verbreitung potenziell falscher Informationen.
