Hand aufs Herz: Wie lesen Sie Webseiten? Wahrscheinlich gar nicht. Wir alle scannen. Wir überfliegen Texte auf der Suche nach dem einen Satz, der unsere Frage beantwortet oder unser Problem löst.
Genau hier scheitern viele Webseiten. Der Inhalt mag brillant sein, aber er ist versteckt in einer „Textwüste“ ohne Anhaltspunkte.
Hier kommen Headings (Überschriften) ins Spiel. Sie sind keine reine Dekoration. Sie sind das Skelett Ihrer Seite. Eine saubere H1- bis H6-Struktur ist wie ein gut ausgeschilderter Supermarkt: Der Kunde findet sofort die Milch, ohne erst durch die Gartenabteilung irren zu müssen.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie Überschriften nicht nur für Google, sondern primär für Ihre Nutzer einsetzen. Wir klären die Unterschiede zwischen Service-Seiten und Blogartikeln und räumen mit alten SEO-Mythen auf.
Was Headings leisten (für Nutzer zuerst)
Lange Zeit wurden Überschriften fast ausschließlich unter dem Aspekt „Keyword-Placement“ betrachtet. Man dachte: „Wenn ich mein Hauptkeyword fünfmal in H2 packe, ranke ich besser.“ Das ist nicht nur veraltet, sondern schädlich.
Gute Heading-Strukturen dienen heute primär einem Zweck: Orientierung.
Scannen statt Lesen
Studien belegen immer wieder, dass Nutzer Webseiten in einem F-Muster scannen. Der Blick wandert an der linken Seite herunter und sucht nach Ankern. Diese Anker sind Ihre Überschriften.
Wenn ein Nutzer auf Ihrer Seite landet, entscheidet er oft in wenigen Sekunden, ob er bleibt. Findet er in diesen Sekunden Überschriften wie „Kosten“, „Ablauf“ oder „Vorteile“, weiß er sofort: „Hier bin ich richtig.“ Fehlen diese Signalworte, ist er weg – zurück zu Google.
Erwartungssteuerung
Eine gute H2 ist ein Versprechen an den Leser. Sie sagt: „Im folgenden Absatz erkläre ich dir genau diesen einen Aspekt.“ Das schafft Vertrauen.
Stellen Sie sich vor, Sie suchen nach Preisen für eine Dienstleistung. Sie sehen eine Überschrift „Unsere Preismodelle“. Darunter folgt aber nur Marketing-Bla-Bla über Qualität, ohne eine einzige Zahl. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Headings steuern die Erwartung – der Text muss sie erfüllen.
Barrierefreiheit ist kein Nischenthema
Für Menschen, die Screenreader nutzen, sind Headings essenziell. Screenreader erlauben es blinden oder sehbehinderten Nutzern, von Überschrift zu Überschrift zu springen. Wenn Sie Überschriften nur fett formatieren, statt sie als HTML-Element (<h2>) auszuzeichnen, existiert diese Navigation für diese Nutzer nicht. Eine saubere Struktur ist also gelebte Inklusion.
Woran Sie die Wirkung erkennen
Sie müssen uns das nicht einfach glauben. Die Wirkung einer guten Struktur ist messbar.
- Höhere Scrolltiefe: Nutzer lesen weiter nach unten, weil sie immer wieder neue, interessante Kapitel-Einstiege finden.
- Weniger Absprünge (Bounce Rate): Wer sofort findet, was er sucht, interagiert eher mit der Seite.
- Bessere Signale für Google: Wenn Nutzer zufrieden sind, merkt das auch die Suchmaschine. Das ist der Kern von moderner Onpage SEO.
Die Grundlogik: H1 = Thema, H2 = Kapitel, H3 = Details
Es ist eigentlich ganz einfach. Denken Sie an Ihre Webseite wie an ein Buch oder eine wissenschaftliche Hausarbeit. Niemand würde in einem Buch zwei Titel auf das Cover drucken oder das Inhaltsverzeichnis wild durcheinander würfeln.
Die H1: Das Versprechen der Seite
Jede URL sollte genau ein Hauptthema haben. Und dieses Thema gehört in die H1.
Die H1 ist der Titel Ihres Dokuments. Sie muss dem Nutzer (und Google) unmissverständlich sagen, worum es auf dieser Seite geht.
- Regel: Es gibt pro Seite nur eine einzige H1.
- Zweck: Sie matcht die Suchintention des Nutzers. Wenn er „Auto kaufen“ gesucht hat, sollte in der H1 etwas wie „Auto kaufen: Der große Ratgeber“ oder „Gebrauchtwagen kaufen in Stuttgart“ stehen.
Die H2: Die Kapitel
Die H2-Überschriften unterteilen Ihr Hauptthema in logische Sinnabschnitte. Sie sind die Hauptkapitel Ihres Buches.
Wenn Ihre H1 „Richtig Joggen für Anfänger“ ist, könnten Ihre H2s sein:
- Die richtige Ausrüstung
- Der Trainingsplan für Woche 1–4
- Ernährungstipps
- Häufige Verletzungen vermeiden
Die H3 bis H6: Die Details
Wenn ein Kapitel (H2) sehr umfangreich wird, brechen Sie es mit H3-Überschriften auf.
Beispiel aus der H2 „Die richtige Ausrüstung“:
- H3: Laufschuhe wählen
- H3: Atmungsaktive Kleidung
- H3: Pulsuhren und Apps
H4 bis H6 werden selten benötigt, meistens nur bei sehr komplexen, wissenschaftlichen Dokumenten oder extrem langen „Ultimate Guides“. Für 90 % der Webseiten reichen H1 bis H3 völlig aus.
Wichtig: Überspringen Sie keine Hierarchie-Ebenen. Auf eine H2 folgt eine H3, keine H4. Nutzen Sie Überschriften niemals nur, weil Ihnen die Schriftgröße gerade optisch gefällt (dazu später mehr bei den Fehlern).
Beispiele: Service-Landingpage vs. Ratgeber
Nicht jede Seite funktioniert gleich. Die Struktur muss sich dem Zweck der Seite anpassen. Ein informativer Blogartikel hat einen anderen Aufbau als eine Verkaufsseite. Hier müssen wir das Verständnis für die Suchintention schärfen.
Szenario A: Der informative Ratgeber (Informational Intent)
Hier will der Nutzer lernen. Er hat eine Frage („Wie binde ich eine Krawatte?“) und will eine Antwort.
Die Struktur ist oft linear und didaktisch aufgebaut.
- H1: Krawatte binden: Einfache Anleitungen für 3 Knoten
- H2: Welcher Knoten für welchen Anlass?
- H2: Der einfache Knoten (Four-in-Hand)
- H3: Schritt-für-Schritt Anleitung
- H3: Video-Tutorial
- H2: Der doppelte Windsor
- H3: Anleitung & Besonderheiten
- H2: Häufige Fehler beim Binden
- H2: Fazit
Hier führen die Headings den Leser durch einen Lernprozess.
Szenario B: Die Service-Landingpage (Commercial/Transactional Intent)
Hier will der Nutzer oft eine Lösung kaufen oder eine Dienstleistung buchen. Er hat weniger Geduld für lange Herleitungen. Er will „Trust“ (Vertrauen), „Proof“ (Beweise) und „Action“ (Handlung).
- H1: Professionelle Gebäudereinigung in München
- H2: Ihre Vorteile bei uns (Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Bio-Mittel)
- H2: Unsere Leistungen im Überblick
- H3: Büroreinigung
- H3: Fensterreinigung
- H3: Baureinigung
- H2: Das sagen unsere Kunden (Testimonials)
- H2: Ablauf: So einfach buchen Sie uns
- H2: Häufige Fragen (Preise, Zeiten, Versicherung)
Merken Sie den Unterschied? Bei der Service-Seite sind die Headings verkaufsorientiert. „Ablauf“ und „Vorteile“ sind hier entscheidende Elemente, die in einem reinen Info-Artikel vielleicht fehlen würden. Eine klare Struktur hilft hier direkt bei der Conversion.
Häufige Fehler in WordPress (und Fixes)
WordPress ist das beliebteste CMS der Welt, aber es verleitet oft zu Strukturfehlern – manchmal durch das Theme, manchmal durch den Nutzer (oder den Page Builder).
1. Das Theme setzt das Logo in H1
Ein klassischer Fehler in älteren oder schlecht programmierten Themes. Das Firmenlogo im Header wird automatisch als H1 ausgezeichnet.
- Das Problem: Auf jeder Seite Ihrer Website ist die H1 nun „Firmenname XY“. Das Hauptthema der eigentlichen Seite (z.B. „Leistungen“) rutscht in die H2 oder eine zweite H1. Das verwirrt Google massiv.
- Der Fix: Prüfen Sie den Quellcode. Das Logo sollte im
<div>oder<span>liegen, maximal auf der Startseite darf es diskutabel eine H1 sein (wobei selbst da eine Text-H1 besser ist).
2. Page Builder Chaos (Elementor, Divi & Co.)
Visuelle Editoren sind toll, aber gefährlich. Man zieht ein Widget „Überschrift“ rein, weil man großen Text will. Standardmäßig ist das oft eine H2.
- Das Problem: Man nutzt Headings für Design, nicht für Struktur. Sie wollen nur einen fetten Satz („Jetzt anrufen!“) und erzeugen ungewollt ein neues Kapitel im Dokumenten-Outline.
- Der Fix: Nutzen Sie für Call-to-Actions oder Zitate separate Widgets oder stellen Sie den HTML-Tag im Builder auf
divoderp(Paragraph) und stylen Sie nur die Größe wie eine Überschrift.
3. Die „einsame“ H2
Manchmal sehen wir Strukturen wie:
- H2: Unser Team
- H3: Max Mustermann
- H2: Kontakt
Hier gibt es unter der H2 nur eine einzige H3. Das ist logisch oft unsauber. Eine Unterteilung macht meist erst Sinn, wenn es mindestens zwei Unterpunkte gibt. Sonst ist der Unterpunkt eigentlich das Thema des Kapitels selbst.
4. Inkonsistente Benennung
Ein Kapitel heißt „Die Kosten“, das nächste „Wie ist der Ablauf?“.
Versuchen Sie, grammatikalisch parallel zu bleiben. Entweder alles Substantive („Kosten“, „Ablauf“, „Dauer“) oder alles Fragen/Handlungen („Was kostet es?“, „Wie läuft es ab?“, „Wie lange dauert es?“). Das macht das Scannen für das Gehirn wesentlich angenehmer.
Ein sauberer Quellcode ist das Fundament für gutes SEO. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre technische Basis stimmt, werfen Sie einen Blick in unsere SEO Grundlagen.
Quickcheck: 7 Fragen, ob deine Headings gut sind
Sie haben einen Artikel geschrieben oder eine Landingpage entworfen. Bevor Sie auf „Veröffentlichen“ klicken, machen Sie diesen kurzen Audit.
- Der „Inhaltsverzeichnis-Test“: Wenn Sie nur die Überschriften herauskopieren und untereinander schreiben (wie ein Inhaltsverzeichnis) – versteht ein Fremder trotzdem, worum es im Text geht und wie er argumentativ aufgebaut ist?
- Die „Einzige H1“-Regel: Gibt es wirklich nur genau eine H1?
- Keyword-Check (aber soft): Kommt das Hauptthema in der H1 und Variationen davon in einigen H2s vor? (Nicht übertreiben!)
- Die Hierarchie-Prüfung: Folgen die Ebenen logisch aufeinander (H1 -> H2 -> H3)? Keine Sprünge von H2 auf H4?
- Der Versprechens-Check: Wird der Inhalt unter der Überschrift dem gerecht, was die Überschrift ankündigt?
- Kürze & Würze: Sind die Überschriften knackig? (Keine drei Zeilen lang).
- Sinnvolle Abschnitte: Steht unter jeder Überschrift auch Text? Leere Überschriften, die nur Bilder einleiten, sind oft überflüssig.
Um die Struktur noch besser nutzbar zu machen, empfehlen wir oft ein „Table of Contents“ (Inhaltsverzeichnis) am Anfang des Artikels mit Sprungmarken. Wie das genau funktioniert und warum das auch für SEO gut ist, erfahren Sie in unserem Artikel über Interne Links.
Außerdem: Überschriften und URL-Struktur sollten Hand in Hand gehen. Eine klare URL spiegelt oft die klare H1 wider.
FAQ: Häufige Fragen zu H1–H6
Ist es schlimm, wenn ich mehrere H1 auf einer Seite habe?
Google hat offiziell bestätigt, dass ihr Algorithmus damit umgehen kann (besonders in HTML5, wo jede Section eine eigene H1 haben könnte). Aber: In der Praxis ist es immer noch Best Practice, nur eine H1 zu verwenden. Es schafft Eindeutigkeit. Warum sollten Sie Google raten lassen, welches Thema das wichtigste ist? Machen Sie es der Suchmaschine einfach.
Muss in jeder H2 ein Keyword stehen?
Nein, bloß nicht! Das wirkt extrem unnatürlich („Auto kaufen günstig“, „Auto kaufen Tipps“, „Auto kaufen online“). Schreiben Sie natürlich. Nutzen Sie Synonyme oder thematisch verwandte Begriffe. Google versteht den Kontext (Stichwort: Keyword vs Topic). Eine H2 kann auch einfach „Fazit“ oder „Häufige Fehler“ heißen, solange der Kontext der Seite klar ist.
Wie lang sollte eine H1 sein?
Es gibt keine feste Zeichenbegrenzung, aber sie sollte gut lesbar sein. Aus SEO-Sicht macht es Sinn, sie ähnlich wie den Meta Title zu halten (ca. 50–70 Zeichen), damit sie auf den ersten Blick erfassbar ist. Zu lange H1 wirken oft „schreiend“ und unübersichtlich.
Darf ich H-Tags für das Design nutzen (z.B. in der Sidebar)?
Technisch ja, semantisch nein. Wenn Sie in der Sidebar ein Widget „Neueste Beiträge“ haben, sollte die Überschrift „Neueste Beiträge“ idealerweise kein H2 oder H3 sein, das in Konkurrenz zum Hauptinhalt steht. Besser ist hier ein einfaches div mit einer CSS-Klasse, die es groß und fett macht. Headings gehören zum Main Content.
Fazit: Struktur schafft Klarheit
Eine saubere Heading-Struktur ist einer der einfachsten Hebel im Content Marketing. Sie kostet kein Geld, erfordert keine teuren Tools, sondern nur etwas Disziplin und Logik beim Schreiben.
Das Ergebnis ist eine Win-Win-Win-Situation:
- Ihre Nutzer finden schneller, was sie suchen und lesen lieber.
- Google versteht Ihre Inhalte besser und kann sie passenderen Suchanfragen zuordnen.
- Sie selbst (oder Ihr Content-Team) werden gezwungen, strukturierter zu denken und qualitativ hochwertigere Inhalte zu produzieren.
Wir bei Weitmark wissen, dass Theorie und Praxis oft zweierlei sind. Gerade bei gewachsenen Webseiten mit hunderten Unterseiten ist die Struktur oft „historisch gewuchert“.
Haben Sie das Gefühl, Ihre Website ist eher ein Labyrinth als ein gut sortiertes Regal?
Lassen Sie uns drüberschauen. Wir bieten einen Heading- & Content-Struktur Audit an. Wir prüfen Ihre wichtigsten Seiten auf Logik, SEO-Konformität und Nutzerführung – und zeigen Ihnen genau, wo Sie mit wenigen Handgriffen mehr aus Ihrem Content herausholen können.
