Anchor Text

Picture of Ferenc Collinet
Ferenc Collinet

Sie klicken jeden Tag darauf, wahrscheinlich hunderte Male. Meistens denken Sie nicht darüber nach. Doch für Ihre Webseite entscheiden diese wenigen blauen Wörter oft darüber, ob Google versteht, worum es geht – oder ob Ihre Nutzer frustriert abspringen.

Wir sprechen vom Anchor Text (oder Ankertext).

Viele Webseitenbetreiber behandeln den Linktext stiefmütterlich. Da wird schnell ein „hier klicken“ hingeworfen oder – noch schlimmer – dieselbe harte Keyword-Phrase zwanzigmal in jeden Absatz gehämmert. Beides ist gefährlich. Das eine verschenkt Potenzial, das andere kann sogar zu einer Abstrafung durch Google wegen Überoptimierung (Over-Optimization) führen.

Gute Anchor Texte sind wie die Wegweiser auf einer Wanderung: Sie müssen kurz sein, aber genau verraten, wohin der Weg führt. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie Linktexte schreiben, die Ihre Nutzer sicher ans Ziel führen und gleichzeitig Ihre SEO-Strategie massiv unterstützen.

Was ist Anchor Text (und warum er zählt)?

Der Anchor Text ist der sichtbare, klickbare Text eines Hyperlinks. Im HTML-Code sieht das so aus:

<a href="https://www.Domain.de/ratgeber/kategorie/">Onpage SEO Grundlagen</a>

Hier ist „Onpage SEO Grundlagen“ der Anchor Text.

Warum ist dieser Textschnipsel so wichtig? Er erfüllt eine Doppelfunktion:

  1. Für den Nutzer (UX & Erwartungsmanagement):
    Der Linktext ist ein Versprechen. Wenn dort „Kostenlose Analyse“ steht, erwartet der Nutzer kein kostenpflichtiges Abo. Ein guter Anchor Text hilft dem Nutzer zu entscheiden, ob sich der Klick lohnt. Er steuert den Lesefluss und bietet Orientierung. Ein Linktext wie „mehr Infos“ ist hingegen eine Wundertüte – niemand öffnet gerne Wundertüten, wenn er eigentlich eine konkrete Antwort sucht.
  2. Für Google (Relevanz & Kontext):
    Suchmaschinen nutzen den Anchor Text, um zu verstehen, worum es auf der verlinkten Seite geht. Google liest den Text und denkt sich: „Aha, viele interne Seiten verlinken auf diese URL mit den Worten ‚Canonical Tag‘. Dann ist diese Seite wohl eine Autorität für das Thema ‚Canonical Tag‘.“
    Dies ist besonders wichtig für Ihre interne Verlinkung. Während Sie bei Backlinks von anderen Webseiten wenig Kontrolle über den Text haben, haben Sie intern das Steuer komplett selbst in der Hand.

Ein präziser Anchor Text stärkt den thematischen Zusammenhang (das Cluster) Ihrer Inhalte. Er ist das Bindeglied, das aus losen Artikeln eine logische Struktur macht.

Die 5 Anchor-Typen (inkl. wann Sie sie nutzen)

Nicht jeder Linktext sollte gleich aussehen. Eine gesunde Mischung wirkt natürlich und hilft, Spam-Signale zu vermeiden. Wir unterscheiden in der Regel fünf Hauptkategorien:

1. Exact Match (Exakte Übereinstimmung)

Hier nutzen Sie exakt das Hauptkeyword der Zielseite als Linktext.

  • Beispiel: Sie verlinken auf einen Artikel über „Onpage SEO“ mit dem Text „Onpage SEO“.
  • Einsatz: Sehr starkes Signal, aber mit Vorsicht zu genießen. Wenn 100 % Ihrer Links „Kreditvergleich“ heißen, sieht das für Google manipulativ aus. Intern ist es weniger kritisch als extern, aber Variation ist besser.

2. Partial Match (Teilübereinstimmung)

Das Keyword ist enthalten, aber in einen längeren, natürlicheren Satz eingebettet.

  • Beispiel: „Lernen Sie hier die Grundlagen der Onpage SEO kennen.“
  • Einsatz: Unser Favorit. Es wirkt natürlich, liest sich gut und sendet trotzdem das wichtige Relevanzsignal.

3. Generisch

Nichtssagende Handlungsaufforderungen.

  • Beispiel: „Hier klicken“, „Weiterlesen“, „Mehr dazu“.
  • Einsatz: Vermeiden Sie diese Texte im Fließtext, wo immer es geht. Sie verschenken wertvollen Platz für Kontext. In Buttons („Jetzt kaufen“) sind sie okay, aber im Text stören sie den Lesefluss und bieten Google null Informationen.

4. Naked URL (Die nackte URL)

Die Webadresse selbst ist der Text.

  • Beispiel: „Besuchen Sie https://www.Domain.de/thema/“.
  • Einsatz: Eher unüblich im Fließtext. Wird meistens nur in Quellenangaben oder am Ende von Dokumenten genutzt. Wirkt oft unaufgeräumt.

5. Brand (Markenname)

Der Name der Marke oder des Autors.

  • Beispiel: „Laut einer Studie von XYZ…“
  • Einsatz: Sehr natürlich, besonders wenn Sie auf die Startseite oder „Über uns“-Seiten verlinken.

Wie schreiben wir nun den perfekten Linktext für unsere Website oder den Unternehmensblog? Wir bei Weitmark folgen drei einfachen Prinzipien, die sicherstellen, dass wir Nutzer führen, ohne Google zu verärgern.

Regel 1: Beschreibend schlägt generisch

Der Nutzer sollte wissen, was passiert, wenn er klickt, ohne den Satz davor oder danach lesen zu müssen.

  • Schlecht: „Wenn Sie mehr über verwaiste Seiten wissen wollen, klicken Sie hier.“
  • Gut: „Vermeiden Sie Orphan Pages, indem Sie neue Artikel sofort verlinken.“

Im zweiten Beispiel ist der Linktext selbst die Information. Das spart dem Leser kognitive Energie. Er muss nicht raten.

Regel 2: Im Satzkontext (Flow statt Stempel)

Ein Link sollte den Lesefluss nicht unterbrechen. Er sollte Teil des Satzes sein. Früher sah man oft Texte, die wirkten, als hätte jemand mit einem „SEO-Stempel“ Keywords in den Text gedrückt.

  • Hölzern: „Wir bieten auch Beratung an. [Finanzberatung Stuttgart] ist unser Fachgebiet.“
  • Flüssig: „Als Experten für [Finanzberatung in Stuttgart] unterstützen wir Sie gerne vor Ort.“

Schreiben Sie erst den Satz so, dass er für Menschen gut klingt. Dann legen Sie den Link auf die passendste Phrase.

Regel 3: Variation schützt vor Over-Optimization

Hier kommt das Thema „Over-Optimization“ ins Spiel. Google ist allergisch gegen Muster, die nach Manipulation aussehen. Wenn 50 interne Links auf Ihren Artikel zum „Canonical Tag“ zeigen und alle 50 exakt „Canonical Tag“ lauten, wirkt das robotisch.

Nutzen Sie Synonyme und Variationen:

  • „…wie der Canonical Tag funktioniert…“
  • „…mittels Canonical-Link Duplikate vermeiden…“
  • „…die richtige Canonicalisierung ist wichtig…“

Das wirkt nicht nur natürlicher, sondern hilft Ihnen auch, für Long-Tail-Keywords (also spezifischere Suchanfragen) zu ranken.

Beispiele „gut vs. schlecht“ (Glossar-Edition)

Theorie ist gut, Praxisbeispiele sind besser. Hier sehen Sie, wie wir Linktexte optimieren, um SEO-Begriffe verständlich zu verknüpfen.

Zielseite (Thema)Schlechter Anchor Text (Generisch / Spammy / Unklar)Guter Anchor Text (Beschreibend / Natürlich / Variabel)
Onpage SEO„hier“„Grundlagen der Onpage SEO“
„Onpage SEO Onpage SEO“ (Spam)„Maßnahmen auf der Seite (Onpage)“
Noindex / Nofollow„Link“„Unterschied zwischen Noindex und Nofollow
„diesen Artikel lesen“„Seiten via Noindex aus dem Index halten“
Orphan Pages„Verwaiste Seiten“ (immer exakt gleich)Orphan Pages finden und beheben“
„Info“„Seiten ohne eingehende Links (Orphans)“
Interne Links„Interne Verlinkung Strategie SEO Tipps“ (zu lang/klobig)„strategische interne Verlinkung
„Klick mich“„Interne Links richtig setzen“

Sehen Sie den Unterschied? Die guten Beispiele integrieren sich nahtlos in einen Satz, den man so oder so schreiben würde. Der Link wirkt nicht aufgesetzt, sondern hilfreich.

Ein Sonderfall sind Links in der Navigation oder im Footer. Hier ist „Kurz und Knapp“ Trumpf. Im Hauptmenü schreiben Sie natürlich „Leistungen“ und nicht „Hier finden Sie unsere detaillierten Finanzdienstleistungen“. Aber im Fließtext eines Blogartikels gelten die Regeln der Tabelle.

Quickcheck + Redaktionsstandard

Wie stellen Sie sicher, dass nicht nur Sie, sondern Ihr ganzes Team (oder Ihre Gastautoren) saubere Anchor Texte verwenden? Indem Sie einen Standard etablieren.

Wir empfehlen folgende einfache Redaktionsregel für jeden neuen Artikel:

  1. Die „Hub-Regel“: Verlinken Sie im ersten Drittel des Textes immer auf die übergeordnete Kategorie- oder Hub-Seite. Nutzen Sie dabei einen klaren, definierenden Anchor Text.
  2. Die „2-Nachbarn-Regel“: Verlinken Sie auf mindestens zwei thematisch verwandte Artikel. Variieren Sie hier den Text und nutzen Sie Partial Match (Teilübereinstimmung).
  3. Der „Laut-Vorlesen-Test“: Lesen Sie den Satz mit dem Link laut vor. Stolpern Sie über den Linktext? Klingt er wie ein Fremdkörper? Dann schreiben Sie ihn um.

Quickcheck für bestehende Inhalte (Audit):
Nehmen Sie sich Ihre Top-20 „Money Pages“ vor (die Seiten, die Umsatz bringen sollen). Prüfen Sie in der Google Search Console oder mit einem SEO-Tool, welche internen Links auf diese Seiten zeigen.

  • Problem A: Fast alle Links heißen „hier“ oder „mehr“.
    • Lösung: Schreiben Sie die Sätze um, damit das Keyword verlinkt wird.
  • Problem B: Alle Links sind zu 100 % exakt das gleiche Keyword.
    • Lösung: Lockern Sie einige Links auf. Machen Sie aus „Hauskredit“ mal „Finanzierung für Ihr Eigenheim“ oder „günstigen Hauskredit berechnen“.

Konsistenz ist der Schlüssel. Wenn Sie diesen Standard einmal verinnerlicht haben, müssen Sie nicht mehr bei jedem Link grübeln.

Fazit: Kleine Worte, große Wirkung

Der Anchor Text ist eines der kleinsten Elemente im SEO, aber er hat eine enorme Hebelwirkung. Er ist die Stimme, mit der Ihre Inhalte übereinander sprechen.

Wenn Sie Ihre Linktexte pflegen, tun Sie zweierlei: Sie nehmen Ihre Nutzer an die Hand und führen sie sicher durch Ihre Themenwelt. Und Sie füttern Google mit genau den Kontext-Häppchen, die der Algorithmus braucht, um Ihre Seite als Autorität einzustufen.

Übertreiben Sie es nicht. Bleiben Sie natürlich. Schreiben Sie für Menschen, nicht für Maschinen – dann mag Sie am Ende auch die Maschine.