Du hast dein Geschäft erfolgreich im deutschsprachigen Raum etabliert und nun wagst du den Schritt über die Grenze. Der Online-Shop läuft jetzt auch auf Englisch für Großbritannien und auf Französisch für die Schweiz. Das ist ein großer Meilenstein. Doch beim Blick in die Suchergebnisse stellt sich Ernüchterung ein.
Ein Kunde aus Zürich sucht nach deinen Produkten, landet aber auf der deutschen Seite mit Euro-Preisen statt auf der Schweizer Version mit Schweizer Franken. Ein Nutzer aus London findet plötzlich die US-amerikanische Version deiner Website. Das ist nicht nur verwirrend für den Nutzer, sondern schlecht fürs Geschäft. Falsche Währung, falsche Versandinfos, falsche Sprache – der Nutzer springt sofort ab.
Das Problem liegt oft nicht am Inhalt, sondern an der technischen Wegweisung für Google. Hier kommt das hreflang-Attribut ins Spiel. Es ist eines der mächtigsten, aber auch komplexesten Werkzeuge im internationalen SEO.
Wir erklären dir, wie du hreflang nutzt, um Google präzise zu sagen: „Dieser Nutzer aus Land X mit Sprache Y gehört auf genau diese URL.“ Wir zeigen dir, wann du es brauchst, wie die Logik dahinter funktioniert und welche Fehler du unbedingt vermeiden musst, damit deine internationale Expansion auch organisch ein Erfolg wird.
Wann hreflang nötig ist (und wann nicht)
Bevor wir in die technischen Details eintauchen, müssen wir klären, ob du dieses Werkzeug überhaupt benötigst. In der SEO-Welt gilt oft: Weniger ist mehr. Eine unnötig komplexe hreflang-Implementierung ist fehleranfällig und kann mehr schaden als nutzen.
Das hreflang-Attribut ist immer dann notwendig, wenn du Varianten desselben Inhalts hast, die auf spezifische Nutzergruppen zugeschnitten sind.
Hier sind die klassischen Szenarien, in denen du aktiv werden musst:
- Verschiedene Sprachen: Deine Website ist vollständig übersetzt. Du hast eine deutsche Version (
example.de) und eine englische Version (example.com/en). Du willst sicherstellen, dass englischsprachige Nutzer nicht auf der deutschen Seite landen. - Gleiche Sprache, verschiedene Länder: Das ist der häufigste Stolperstein. Du hast eine Seite für Deutschland (DE), eine für Österreich (AT) und eine für die Schweiz (CH). Alle sind auf Deutsch, unterscheiden sich aber in Währung, Versandkosten oder Telefonnummern. Ohne
hreflangbetrachtet Google diese Seiten oft als Duplicate Content, da der Text fast identisch ist. Mithreflangsagst du: „Das ist kein Duplikat, das ist die österreichische Variante.“ - Mischformen: Du hast eine Seite für Kanada (Englisch und Französisch) und eine für die USA (nur Englisch).
Wann brauchst du es nicht?
Wenn deine Website nur in einer Sprache und für ein Land existiert, brauchst du kein hreflang. Auch wenn du eine Seite hast, die automatisch per IP-Erkennung die Sprache wechselt (was aus SEO-Sicht übrigens oft problematisch ist), ist das Tag nicht das richtige Mittel. hreflang dient dazu, Google die statischen URLs für die jeweiligen Regionen zu zeigen.
Mini-Beispiel:
Stell dir vor, du betreibst einen Blog nur auf Deutsch. Du hast keine Absicht, international zu ranken. In diesem Fall wäre die Implementierung von hreflang="de" zwar technisch nicht falsch, aber völlig überflüssiger Aufwand (Overkill). Konzentriere dich hier lieber auf sauberes technisches SEO und gute Inhalte.
Grundlogik: Sprache/Land + Rückverweise + x-default
Die Syntax von hreflang wirkt auf den ersten Blick kryptisch, folgt aber einer strikten Logik. Ein Fehler in dieser Kette führt oft dazu, dass Google die gesamten Anweisungen ignoriert.
Der Code sieht im HTML-Kopfbereich (<head>) einer Seite etwa so aus:<link rel="alternate" hreflang="de-AT" href="https://example.com/at/" />
Lass uns das auseinandernehmen.
1. Der Code: Sprache-Land
Das Format lautet immer: Sprache (ISO 639-1) und optional Region/Land (ISO 3166-1 Alpha 2).
de: Richtet sich an alle Deutschsprachigen weltweit.de-AT: Richtet sich spezifisch an Deutschsprachige in Österreich.en-GB: Englischsprachige in Großbritannien.en-US: Englischsprachige in den USA.
Wichtig: Du kannst eine Sprache allein definieren (de), aber niemals ein Land allein (AT ohne Sprache ist ungültig). Google muss immer zuerst wissen, welche Sprache gesprochen wird.
2. Das Prinzip der Rückverweise (Reciprocals)
Das ist der Punkt, an dem die meisten Implementierungen scheitern. hreflang funktioniert nur als gegenseitige Bestätigung.
Wenn Seite A auf Seite B als ihre französische Alternative verweist, muss Seite B auch auf Seite A als ihre deutsche Alternative zurückverweisen.
- Seite A sagt: „Ich bin Deutsch. Meine französische Schwester ist Seite B.“
- Seite B sagt: „Ich bin Französisch. Meine deutsche Schwester ist Seite A.“
Fehlt dieser Rückverweis (Return Tag), ignoriert Google die Verbindung. Warum? Um Missbrauch zu verhindern. Sonst könnte ja jeder behaupten, die Wikipedia sei seine alternative Seite, um Traffic abzugreifen.
3. Der „Selbst-Verweis“
Jede Seite muss nicht nur auf ihre Alternativen verweisen, sondern auch auf sich selbst. In der Liste der hreflang-Tags auf der deutschen Seite muss also auch die deutsche Seite selbst aufgeführt sein.
4. x-default: Der Auffangschirm
Was passiert, wenn ein Nutzer aus Japan auf deine Seite kommt, du aber keine japanische Version hast? Für solche Fälle gibt es hreflang="x-default".
Das ist deine „Fallback“-Seite. Meistens ist das eine internationale englische Seite oder eine Sprachauswahl-Seite, auf der der Nutzer sein Land selbst wählen kann. Ohne x-default entscheidet Google mehr oder weniger zufällig, welche Sprachversion dem japanischen Nutzer gezeigt wird.
Konsistenz ist alles
Achte darauf, dass die URLs, die du im hreflang angibst, absolut sauber sind. Sie müssen den Statuscode 200 OK haben und dürfen nicht auf eine Weiterleitung zeigen. Wenn du im hreflang-Tag auf eine URL verlinkst, die dann per 301 weiterleitet, unterbrichst du die Kette.
Typische Fehler (und wie du sie vermeidest)
Selbst großen Konzernen unterlaufen bei hreflang Fehler. Die Komplexität steigt exponentiell mit der Anzahl der Länder und Sprachen. Hier sind die Klassiker, die wir in Audits immer wieder finden:
Fehler 1: Falsche Ländercodes
Ein sehr beliebter Fehler ist die Verwendung von en-UK für Großbritannien. Der korrekte Code nach ISO-Norm ist aber en-GB. Auch eu für Europa gibt es in diesem Standard nicht. Wenn du falsche Codes verwendest, verwirfst du deine Arbeit, weil Google sie schlicht nicht lesen kann.
Fehler 2: Canonical-Konflikte
Das Canonical-Tag und hreflang müssen Hand in Hand gehen.
Ein häufiges Szenario:
- Seite A (Deutsch) hat ein Canonical-Tag auf sich selbst.
- Seite B (Englisch) hat fälschlicherweise ein Canonical-Tag auf Seite A.
- Gleichzeitig sind beide per
hreflangverbunden.
Das ist ein Widerspruch. hreflang sagt: „Beide Seiten sind gleichwertige Varianten.“ Das Canonical auf Seite B sagt: „Ich bin nur eine Kopie von A, bitte indexiere mich nicht.“
Lösung: Jede Sprachvariante sollte ein selbstreferenzierendes Canonical-Tag haben. Seite A zeigt auf A, Seite B zeigt auf B.
Fehler 3: Relative URLs
Verwende in den hreflang-Tags immer absolute URLs (also mit https://example.com/...). Relative Pfade (/de/produkt) können zu Problemen führen, wenn Google die Seite von verschiedenen Einstiegspunkten aus crawlt oder wenn Protokolle (http vs https) durcheinandergeraten.
Fehler 4: Fehlende Seiten im Cluster
Stell dir vor, du hast Produkt X in Deutschland, Österreich und Frankreich. In Italien ist es aber ausverkauft und die Seite gibt einen 404-Fehler.
Wenn du jetzt auf der deutschen Seite immer noch das hreflang-Tag für Italien drin hast, verweist du auf eine Fehlerseite. Das sendet schlechte Signale an Google. Dein hreflang-Cluster muss immer aktuell gehalten werden – tote Seiten müssen raus aus den Tags der anderen Länder.
Implementierung sauber halten (Prozess + QA)
Wie setzt man das nun in der Praxis um, ohne wahnsinnig zu werden? Es gibt zwei gängige Methoden:
- Im HTML-Head: Der Standard für kleinere bis mittlere Seiten. Jede Seite listet alle ihre Varianten im Quellcode auf.
- In der XML-Sitemap: Die elegante Lösung für große Seiten. Hier blähst du den Quellcode nicht auf, sondern lieferst Google die Informationen zentral in der Sitemap. Das hält den HTML-Code schlank und verbessert die Ladezeit.
Egal welche Methode du wählst: Eine manuelle Pflege ist ab einer gewissen Größe unmöglich. Du brauchst eine Automatisierung über dein CMS oder Shop-System.
Dein QA-Prozess (Quality Assurance):
Internationale SEO-Projekte scheitern oft nicht an der Strategie, sondern am Release. Ein Entwickler vergisst beim Rollout einer neuen Länderversion die Rückverweise auf den alten Seiten – und schon bricht das Kartenhaus zusammen.
Etabliere daher vor jedem Launch neuer Sprachen oder Länder eine Checkliste:
- Validierung: Nutze Tools wie den „Hreflang Tags Testing Tool“ oder Crawler wie Screaming Frog. Sie zeigen dir sofort, wo Rückverweise fehlen oder Codes falsch sind.
- Stichproben: Prüfe nicht nur die Startseite. Schau dir Detailseiten (Produkte, Blogposts) an. Funktioniert die Verlinkung auch dort korrekt? Oft klappt es auf der Home-Seite, aber auf Unterseiten fehlen die Tags.
- Monitoring: Behalte den Bericht „Internationale Ausrichtung“ in der Google Search Console im Auge. Google meldet hier sehr zuverlässig Fehler wie „Keine Rücklinks“.
FAQ: Häufige Fragen zu hreflang
Brauche ich hreflang bei DE/AT/CH?
Ja, unbedingt. Da die Sprache identisch ist (Deutsch), sieht Google diese Seiten sonst als massiven Duplicate Content. Mit hreflang (z.B. de-DE, de-AT, de-CH) sagst du Google explizit, dass es sich um gewollte regionale Varianten handelt. So rankt die .at-Seite in Österreich und die .de-Seite in Deutschland.
Was, wenn die Inhalte sehr ähnlich sind (z. B. USA und UK)?
Das ist kein Problem, solange hreflang korrekt implementiert ist. Du musst die Texte nicht künstlich umschreiben, nur damit sie „unique“ sind. Die technische Auszeichnung genügt Google, um zu verstehen, warum es zwei Versionen gibt (z. B. wegen Währung £ vs $).
Muss ich jede einzelne Seite verknüpfen?
Ja, das Prinzip gilt auf URL-Ebene. Es reicht nicht, die Startseiten zu verknüpfen. Wenn Produkt A in Deutschland verfügbar ist, muss es auf das Pendant Produkt A in Frankreich verweisen.
Fazit: Präzision ist der Schlüssel zum globalen Erfolg
hreflang ist wie das Navigationssystem für deine internationale SEO-Strategie. Wenn es richtig eingestellt ist, führt es Nutzer und Suchmaschinen auf dem schnellsten Weg zum richtigen Ziel. Ist es falsch justiert, fahren alle im Kreis.
Lass dich von der technischen Komplexität nicht abschrecken, aber habe Respekt davor. Eine saubere URL-Struktur und eine korrekte technische Implementierung sind das Fundament. Wenn du hier schlampst, wird auch der beste übersetzte Inhalt nicht gefunden werden.
Wir erleben oft, dass Unternehmen viel Geld in Übersetzungen stecken, aber an der technischen Integration sparen. Das Ergebnis: Die neuen Länderversionen dümpeln ohne Traffic vor sich hin. Mach es besser. Investiere in eine solide technische Basis.
Hast du den Verdacht, dass bei deiner internationalen Ausrichtung der Wurm drin ist? Oder planst du eine Expansion und willst von Tag 1 an alles richtig machen?
