Kennen Sie das Gefühl, sich in einem riesigen Kaufhaus zu verlaufen? Sie suchen die Herrenabteilung, landen aber bei den Haushaltswaren und wissen nicht mehr, ob Sie nun in den zweiten Stock oder zurück ins Erdgeschoss müssen. Frustrierend, oder?
Genau so fühlen sich Nutzer auf Webseiten, die keine klare Orientierung bieten.
Im Wald von Webseiten-Unterstrukturen sind Brotkrümel (Breadcrumbs) oft der Retter in der Not. Der Begriff stammt tatsächlich aus dem Märchen von Hänsel und Gretel, die Brotkrumen streuten, um den Weg zurückzufinden. Im Webdesign haben sie zwar keine Kalorien, aber dafür einen gewaltigen Einfluss auf die User Experience (UX) und Ihre Suchmaschinenoptimierung (SEO).
Wir zeigen Ihnen, warum diese kleine Textzeile am oberen Bildrand oft über Erfolg oder Misserfolg einer Session entscheidet und wie Sie Breadcrumbs nutzen, um Ihre Webseiten-Architektur zu stärken.
Was sind Breadcrumbs (und wann lohnen sie sich)?
Breadcrumbs sind eine sekundäre Navigationshilfe. Sie zeigen dem Nutzer seinen aktuellen Standort innerhalb der Hierarchie einer Webseite an. Meistens finden Sie sie oben links, direkt unter dem Header oder der Hauptnavigation.
Ein klassisches Beispiel sieht so aus:
Startseite > Herrenbekleidung > Schuhe > Sneaker
Warum brauchen wir sie?
Webseiten werden komplexer. Während eine einfache Portfolio-Seite mit fünf Unterseiten keine Breadcrumbs benötigt, sieht das bei Online-Shops, umfangreichen Magazinen oder großen Corporate Websites anders aus. Sobald Ihre Seite mehr als zwei Ebenen tief ist (also: Startseite -> Kategorie -> Unterseite), helfen Breadcrumbs dem Nutzer, den Kontext zu verstehen.
Die wichtigsten Einsatzgebiete
- Tiefe Strukturen & E-Commerce:
In einem Shop mit Tausenden Produkten ist die Gefahr groß, dass der Nutzer den Überblick verliert. Wenn er auf einer Produktdetailseite landet (vielleicht direkt über Google), zeigen ihm die Breadcrumbs sofort, in welcher Kategorie er sich befindet. Mit einem Klick springt er eine Ebene höher, um ähnliche Produkte zu sehen. Das hält ihn auf der Seite. - Glossare und Wissensdatenbanken:
Gerade bei strukturieren Inhalten, wie wir sie hier im Glossar haben, ist die Einordnung essenziell. Ein Artikel über „Canonical Tags“ gehört vielleicht zum Cluster „Technisches SEO“. Der Breadcrumb macht diesen Zusammenhang sichtbar und klickbar. Das ist ein wichtiger Teil von guter Onpage SEO. - Mobile Orientierung:
Auf dem Smartphone ist der Platz begrenzt. Das Hamburger-Menü versteckt die Navigation. Breadcrumbs sind hier oft der schnellste Weg, um eine Ebene zurückzuspringen, ohne den „Zurück“-Button des Browsers zu nutzen (der einen oft ganz aus der Seite wirft).
Faustregel: Wenn Sie sich fragen, ob Sie Breadcrumbs brauchen, lautet die Antwort bei mehr als 20 Unterseiten fast immer: Ja.
Breadcrumbs als internes Linking: Hierarchie sichtbar machen
Viele sehen Breadcrumbs nur als Service für den Nutzer. Aus SEO-Sicht sind sie jedoch eines der mächtigsten Werkzeuge für die interne Verlinkung.
Die Logik der Hierarchie
Google liebt Ordnung. Die Suchmaschine versucht ständig, die Struktur Ihrer Webseite zu verstehen. Welche Seite ist wichtig? Welche Seite ist eine Unterkategorie von welcher?
Breadcrumbs liefern diese Informationen auf dem Silbertablett. Sie etablieren eine klare Parent-Child-Beziehung.
- Der „Child“ (die Detailseite) verlinkt automatisch zurück auf den „Parent“ (die Kategorie).
- Das stärkt die übergeordneten Seiten (Hubs), da sie Linkkraft (Linkjuice) von all ihren Unterseiten erhalten.
Das Prinzip der Keywords im Anchor Text
Der Text in den Breadcrumbs (der sogenannte Anchor Text) ist für Google ein starkes Signal, worum es auf der verlinkten Seite geht.
Statt in einem Fließtext mühsam Links zu setzen, erzeugen Breadcrumbs automatisch eine saubere, keyword-relevante Verlinkung.
Beispiel:
Statt eines generischen „Zurück zur Übersicht“ generiert der Breadcrumb den Link:
… > Laufschuhe > …
Google lernt: „Aha, die Seite, die hier verlinkt ist, ist relevant für das Thema ‚Laufschuhe‘.“ Das zahlt direkt auf das Ranking der Kategorie-Seite ein.
Konsistenz ist Trumpf
Damit dieser Effekt wirkt, müssen Breadcrumbs der logischen Struktur der Seite folgen. Idealerweise spiegelt der Breadcrumb-Pfad Ihre URL-Struktur wider.
- URL:
domain.de/shop/herren/schuhe - Breadcrumb:
Startseite > Shop > Herren > Schuhe
Wenn diese beiden Signale übereinstimmen, bestätigen sie Google die Architektur Ihrer Seite doppelt. Das schafft Vertrauen in die Informationsarchitektur.
Häufige Fehler (und wie Sie sie vermeiden)
Obwohl Breadcrumbs technisch einfach wirken, sehen wir in der Praxis oft Fehler, die mehr verwirren als helfen. Hier sind die Klassiker, die Sie vermeiden sollten.
1. Die „History“-Falle (Pfad-basierte Breadcrumbs)
Manche Systeme zeigen nicht die Hierarchie der Seite an, sondern den Weg, den der Nutzer geklickt hat.
- Startseite > Über uns > Kontakt > Impressum > Produkt A
Das ist nutzlos. Dafür gibt es den „Zurück“-Button im Browser. Gute Breadcrumbs zeigen immer die logische Position in der Seitenstruktur (Location-based), egal woher der Nutzer kam.
2. Das „Mehrfach-Kategorie“-Chaos
Besonders in WordPress passiert es schnell: Ein Beitrag wird drei verschiedenen Kategorien zugeordnet (z.B. „News“, „Tipps“, „Allgemein“).
Welchen Pfad zeigt der Breadcrumb an?
- Startseite > News > Beitrag XY
- Startseite > Tipps > Beitrag XY
Wenn das System hier zufällig entscheidet, entsteht „Duplicate Content“ bei den Pfaden oder Verwirrung.
Lösung: Definieren Sie eine „Primäre Kategorie“ (in Plugins wie Yoast SEO oder RankMath möglich). Der Breadcrumb sollte immer nur einen eindeutigen Hauptpfad anzeigen.
3. Breadcrumbs ohne Links
Ein Breadcrumb, den man nicht anklicken kann, ist reine Dekoration. Die Pfadelemente (außer der aktuellen Seite ganz am Ende) müssen zwingend Links sein. Sonst verpufft der SEO-Effekt und der Nutzer ärgert sich.
4. Die aktuelle Seite verlinken
Der letzte Punkt im Breadcrumb ist die Seite, auf der sich der Nutzer gerade befindet.
Richtig: Startseite > Kategorie > Dieser Artikel (Nur Text, kein Link)
Falsch: Startseite > Kategorie > [Dieser Artikel] (Link auf sich selbst)
Ein Link auf sich selbst ist aus SEO-Sicht sinnlos und kann Nutzer verwirren, die klicken und denken, die Seite lädt neu, aber nichts passiert.
5. Breadcrumbs als Menü-Ersatz
Breadcrumbs sind eine sekundäre Navigation. Sie ersetzen niemals das Hauptmenü. Wenn Sie das Menü weglassen, weil „man ja Breadcrumbs hat“, zerstören Sie die laterale Navigation (das Wechseln zwischen Hauptthemen).
Quickcheck: 6 Kriterien für gute Breadcrumbs
Haben Sie Breadcrumbs im Einsatz? Prüfen Sie Ihre Implementierung jetzt mit dieser Liste.
- Logik: Zeigt der Pfad die tatsächliche Hierarchie der Seite (Eltern > Kind)?
- Kürze: Sind die Bezeichnungen kurz und prägnant? (Statt „Hier finden Sie alle unsere Herrenschuhe“ einfach nur „Herrenschuhe“).
- Sichtbarkeit: Sind sie „above the fold“ (im oberen sichtbaren Bereich) platziert?
- Verlinkung: Sind alle übergeordneten Ebenen klickbar?
- Schema.org: Nutzen Sie strukturierte Daten (Schema Markup) für Breadcrumbs? Das sorgt dafür, dass Google in den Suchergebnissen den hübschen Pfad anzeigt statt der kryptischen URL. (Ein technischer Boost für die Klickrate!)
- Orphan-Prevention: Dienen die Breadcrumbs als Sicherheitsnetz gegen Orphan Pages? Jede Seite sollte über den Breadcrumb-Pfad mindestens an ihre Elternseite angebunden sein.
FAQ: Häufige Fragen zu Breadcrumbs
Brauche ich Breadcrumbs auch auf meinem Blog?
Ja, absolut. Auch wenn ein Blog oft flacher ist, hilft es dem Nutzer, von einem Artikel mit einem Klick zurück zur Kategorie-Übersicht (z.B. „Rezepte“) zu kommen, um weiter zu stöbern. Das erhöht die „Pages per Session“ (Seiten pro Sitzung).
Was mache ich, wenn ein Produkt in mehreren Kategorien liegt?
Wie oben erwähnt: Entscheiden Sie sich für einen Hauptpfad (Canonical Path). Wenn ein Schuh sowohl unter „Sport“ als auch unter „Sale“ liegt, ist der logische Pfad für die Struktur meist „Sport“. Der Nutzer versteht das.
Sollte ich die Startseite im Breadcrumb „Home“ oder „Startseite“ nennen?
Das hängt von Ihrer Zielgruppe ab. „Home“ ist mittlerweile im Deutschen sehr gebräuchlich. Noch besser ist es manchmal, den Markennamen oder ein kleines Haus-Icon zu nutzen, um Platz zu sparen. Wichtig ist nur, dass das erste Element immer zur Root-Domain führt.
Sind Breadcrumbs für kleine Seiten mit nur 5 Unterseiten nötig?
Nein. Hier wirken sie oft überladen und unnötig. Wenn das Hauptmenü immer sichtbar ist und alle Seiten direkt erreichbar sind, können Sie auf Breadcrumbs verzichten.
Fazit: Der rote Faden für Ihre Webseite
Breadcrumbs sind wie die Beschilderung auf einer Autobahn. Man bemerkt sie kaum, wenn sie da sind – aber man vermisst sie schmerzlich, wenn sie fehlen.
Sie sind eine der kostengünstigsten Maßnahmen, um Ihre Seite benutzerfreundlicher zu machen und gleichzeitig Google eine klare Struktur zu präsentieren. Sie zahlen auf das große Ganze ein: eine logische, durchdachte Informationsarchitektur.
Wir sehen oft Webseiten, die wunderschön designt sind, aber strukturell einem Labyrinth gleichen. Nutzer springen ab, Google verliert die Spur. Lassen Sie es nicht so weit kommen.
Haben Sie das Gefühl, Ihre Seitenstruktur ist eher Wildwuchs als englischer Garten?
Wir helfen Ihnen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Mit unserem Navigations- & IA-Check analysieren wir Ihre Menüs, Breadcrumbs und internen Verlinkungen. Wir finden Sackgassen und verwaiste Seiten und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Nutzer sicher ans Ziel führen.
Weiterführende Themen: Wenn Sie Ihre Struktur im Griff haben, lohnt sich ein Blick auf die Pagination, um auch lange Listen und Archive sauber für Google aufzubereiten.
