Stell dir vor, du rufst bei einem Unternehmen an. Es gibt verschiedene mögliche Antworten: Jemand nimmt ab und hilft dir (alles gut). Die Nummer hat sich geändert und du wirst automatisch verbunden (Weiterleitung). Die Nummer ist nicht vergeben (Fehler). Niemand geht ran, obwohl die Nummer existiert (Serverproblem).
Genau so kommuniziert deine Website mit dem Googlebot. Jedes Mal, wenn ein Browser oder ein Suchmaschinen-Crawler eine URL aufruft, antwortet dein Server mit einem dreistelligen Code – dem HTTP Status Code. Diese Codes sind keine technischen Nebensächlichkeiten; sie sind die Grundlage für eine saubere Suchmaschinenoptimierung.
Wenn du diese Sprache nicht verstehst oder dein Server falsche Signale sendet, kann das fatale Folgen haben: Deine Seiten werden nicht gefunden, Rankings gehen verloren und Nutzer sind frustriert. Wir zeigen dir, was die wichtigsten Codes bedeuten und wie du mit ihnen eine grundsolide SEO-Hygiene sicherstellst.
Warum Statuscodes für SEO fundamental sind
Viele sehen das Thema als reine IT-Angelegenheit. Doch die korrekte Behandlung von Statuscodes ist eine der wichtigsten Aufgaben im technischen SEO. Sie beeinflusst direkt vier Kernbereiche deines Erfolgs:
- Crawl-Effizienz: Google hat nur begrenzte Zeit für deine Seite (Crawl Budget). Wenn der Bot ständig auf Fehlerseiten oder unnötige Weiterleitungen trifft, verschwendet er Ressourcen, die für deine wichtigen Inhalte fehlen.
- Index-Qualität: Sollen Seiten im Google-Index landen, daraus entfernt oder durch andere ersetzt werden? Statuscodes sind die primären Befehle, die du Google dafür gibst.
- Nutzererlebnis: Nichts ist frustrierender als ein Link, der ins Leere führt (404-Fehler). Eine gute Strategie für Statuscodes verbessert die User Experience und senkt die Absprungrate.
- Migrationen & Relaunches: Ein Website-Umzug ohne saubere Weiterleitungen (301) ist der schnellste Weg, um jahrelang aufgebaute Rankings zu zerstören.
Ein klassisches Beispiel aus unserer Praxis: Ein Online-Shop markiert ein ausverkauftes Produkt nicht korrekt. Statt eines 404- oder 410-Codes zeigt die Seite weiterhin einen 200-Status („Alles okay“), aber mit dem Text „Artikel nicht verfügbar“. Für Google ist das ein widersprüchliches Signal, ein sogenannter Soft 404. Die Folge: Google verschwendet Zeit mit wertlosen Seiten, und die Qualität der gesamten Domain leidet.
200, 301, 302 – praktische Bedeutung
Diese drei Codes gehören zum Tagesgeschäft. Sie signalisieren, dass alles (mehr oder weniger) nach Plan läuft. Es ist entscheidend, sie korrekt einzusetzen, um keine Ranking-Signale zu verlieren.
200 OK: Alles in Ordnung
Das ist der Idealzustand. Der Server hat die angeforderte Seite gefunden und liefert sie fehlerfrei aus. Jede deiner wichtigen, indexierbaren Seiten sollte diesen Statuscode zurückgeben. Klingt einfach, aber wie oben gesehen, ist das nicht immer der Fall.
301 Moved Permanently: Dauerhafter Umzug
Der 301-Redirect ist dein wichtigstes Werkzeug bei permanenten Änderungen. Du sagst Google damit: „Diese Seite ist für immer umgezogen. Die neue Adresse lautet Y. Bitte übertrage alle Rankings und Links dorthin.“
Wann du 301 verwendest:
- Bei einem Website-Relaunch mit neuer URL-Struktur.
- Wenn du von HTTP auf HTTPS umstellst.
- Wenn du zwei Artikel zu einem zusammenlegst.
- Wenn sich die URL eines Produkts ändert.
302 Found: Vorübergehender Umzug
Mit einem 302-Redirect signalisierst du: „Diese Seite ist nur vorübergehend woanders zu finden. Die alte Adresse bleibt die wichtige.“ Google überträgt die Ranking-Signale hier nicht dauerhaft.
Wann du 302 verwendest:
- Bei A/B-Tests, um Nutzer temporär auf eine Testvariante zu leiten.
- Bei Wartungsarbeiten, wenn du kurzzeitig auf eine Info-Seite umleitest.
- Für geo-basierte Weiterleitungen, die Nutzer je nach Standort auf eine andere Sprachversion schicken.
Das Risiko: Viele Content-Management-Systeme oder Entwickler verwenden standardmäßig 302-Redirects, obwohl ein 301 korrekt wäre. Das kann dazu führen, dass die alte URL im Index bleibt und die neue keine Autorität aufbaut. Prüfe deine Redirects (301/302) also genau.
404 vs. 410 – löschen, umziehen, ersetzen
Was passiert, wenn eine Seite nicht mehr existiert? Hier gibt es verschiedene Wege, die alle ihre Berechtigung haben. Die falsche Entscheidung kann jedoch dazu führen, dass Nutzer und Google in Sackgassen landen.
404 Not Found: Nicht gefunden
Dieser Code bedeutet: „Unter dieser Adresse konnte ich nichts finden.“ Ein 404-Fehler ist per se nichts Schlechtes. Es ist eine normale und ehrliche Antwort des Servers. Google weiß, dass Seiten kommen und gehen.
Ein 404 ist problematisch, wenn:
- Du intern auf diese nicht mehr existierende Seite verlinkst (Broken Internal Link).
- Eine wichtige externe Website auf diese URL verlinkt (du verlierst wertvollen „Link-Juice“).
410 Gone: Endgültig entfernt
Der 410-Code ist die verschärfte Version des 404. Er sagt: „Diese Seite gab es mal, aber ich habe sie absichtlich und für immer gelöscht.“ Google neigt dazu, 410-Seiten etwas schneller aus dem Index zu entfernen als 404-Seiten.
Deine Entscheidungsmatrix für entfernte Inhalte:
- Gibt es einen direkten Ersatz? (z. B. ein veralteter Blogpost wird durch einen neuen Guide ersetzt)
- Lösung: Nutze einen 301-Redirect von der alten auf die neue URL. So bleiben die Rankings und Backlinks erhalten.
- Gibt es keinen direkten Ersatz, aber ein thematisch ähnliches Ziel? (z. B. ein ausverkauftes Produkt, aber die übergeordnete Kategorie ist noch relevant)
- Lösung: Ein Redirect auf die Kategorie-Seite ist eine Option, aber mit Vorsicht zu genießen. Wenn es nicht wirklich passt, kann Google es als Soft 404 werten.
- Gibt es keinen Ersatz und die Seite soll einfach nur weg? (z. B. ein saisonales Gewinnspiel von letztem Jahr)
- Lösung: Lass die Seite einen 404- oder (besser noch) einen 410-Code ausgeben. Das ist eine saubere Lösung. Gestalte deine 404-Seite nutzerfreundlich, damit Besucher von dort aus weiter navigieren können.
5xx Fehler: warum das Priorität 1 ist
Wenn du im Supermarkt an der Kasse stehst und das System abstürzt, ist das für alle Beteiligten ein Problem. Bei Statuscodes der 5xx-Gruppe ist es genauso: Sie signalisieren ein ernsthaftes serverseitiges Problem.
- 500 Internal Server Error: Der Server ist auf einen unerwarteten Fehler gestoßen und kann die Anfrage nicht bearbeiten.
- 503 Service Unavailable: Der Server ist momentan nicht verfügbar (z. B. wegen Überlastung oder Wartungsarbeiten).
Warum 5xx-Fehler so kritisch sind:
Wenn der Googlebot deine Seite crawlen will und wiederholt auf einen 5xx-Fehler stößt, bricht er ab. Er verliert das Vertrauen in die Stabilität deiner Website. Passiert das häufig, wird Google die Crawl-Frequenz drastisch reduzieren, um deinen Server zu „schonen“.
Im schlimmsten Fall, wenn wichtige Seiten über längere Zeit nicht erreichbar sind, kann Google sie temporär aus dem Index entfernen. 5xx-Fehler sind also keine Kleinigkeit, sondern ein Alarmsignal, das du sofort beheben musst. Überwache deine Website (z. B. über die Google Search Console) aktiv auf solche Fehler-Spikes.
Soft 404 abgrenzen (Sonderfall)
Der Soft 404 ist einer der häufigsten und am meisten missverstandenen Fehler im technischen SEO. Er ist tückisch, weil technisch gesehen alles in Ordnung zu sein scheint.
Ein Soft 404 tritt auf, wenn:
- Dein Server den Statuscode 200 OK zurückgibt,
- die Seite für den Nutzer aber wie eine Fehlerseite aussieht oder keinen relevanten Inhalt bietet.
Typische Beispiele:
- Eine Suchergebnisseite ohne Treffer, die „Leider nichts gefunden“ anzeigt, aber den Status 200 hat.
- Eine Produktseite für einen nicht mehr verfügbaren Artikel, die nur noch eine leere Vorlage ist.
- Dünne Kategorieseiten ohne Produkte.
Google ist klug genug, das zu erkennen. Der Bot crawlt die Seite, analysiert den Inhalt und stellt fest: „Hier ist nichts von Wert.“ Er stuft die Seite dann intern als Soft 404 ein. Das Problem: Du hast Crawl Budget für eine Seite verschwendet, die ohnehin nicht indexiert wird. Bei vielen Tausend solcher Seiten leidet die Effizienz und Qualität deiner gesamten Domain.
FAQ: Häufige Fragen zu Statuscodes
Ist ein 302-Redirect immer schlecht für SEO?
Nein. Für seinen vorgesehenen Zweck (temporäre Umleitung) ist er das richtige Werkzeug. Er wird nur dann zum Problem, wenn er fälschlicherweise für dauerhafte Umzüge verwendet wird.
Muss ich unbedingt 410 statt 404 verwenden?
Ein 410-Code ist ein etwas stärkeres Signal, aber kein absolutes Muss. Wenn du eine Seite bewusst und endgültig entfernst, ist 410 die sauberste Methode. Ein normaler 404 tut es aber in den meisten Fällen auch. Wichtiger ist, dass du keine internen Links mehr auf diese Seite hast.
Wie schnell reagiert Google auf einen geänderten Statuscode?
Das hängt von der Crawl-Frequenz der jeweiligen URL ab. Eine wichtige, häufig besuchte Seite wird schneller neu bewertet als eine tief vergrabene Unterseite. Ein 301-Redirect wird meist innerhalb weniger Tage oder Wochen verarbeitet, die vollständige Übertragung der Signale kann aber länger dauern.
Fazit: Sprich die richtige Sprache
HTTP Status Codes sind das Vokabular, mit dem deine Website mit Suchmaschinen spricht. Eine klare und korrekte Kommunikation ist die Basis für eine gesunde Indexierung und stabile Rankings.
Wenn du deine Statuscodes im Griff hast, sorgst du dafür, dass Google seine Zeit auf deine besten Inhalte konzentriert, Nutzer nicht in Sackgassen landen und Ranking-Signale bei Änderungen sauber übertragen werden. Das ist keine Raketenwissenschaft, sondern grundsolide SEO-Hygiene.
Fühlst du dich unsicher, ob dein Server die richtigen Signale sendet? Oft verbergen sich unter der Haube Fehler, die den SEO-Erfolg seit Monaten ausbremsen.
