Interne Links

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Ferenc Collinet

Viele Webseitenbetreiber stecken enorm viel Arbeit in die Erstellung neuer Inhalte. Doch oft passiert nach der Veröffentlichung wenig. Die neue, brillante Leistungsseite oder der tiefgründige Ratgeber dümpelt im Traffic-Nirwana vor sich hin. Das Problem ist oft nicht die Qualität des Inhalts, sondern dass ihn niemand findet – weder Nutzer noch Google.

Hier kommt die interne Verlinkung ins Spiel. Sie ist das oft unterschätzte Nervensystem Ihrer Webseite. Stellen Sie sich Ihre Website wie eine Stadt vor. Ohne Straßen (interne Links) bleiben selbst die prächtigsten Gebäude (Ihre Inhalte) isoliert und unbesucht.

Interne Links sind Ihr Steuerpult: Sie bestimmen, was Google findet, wie Themen zusammenhängen und welche Seiten für Ihr Unternehmen Priorität haben. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie mit einer klaren Strategie interne Links systematisch nutzen, um Ihre wichtigsten Seiten zu stärken und das volle Potenzial Ihrer Inhalte auszuschöpfen.

Interne Verlinkung ist weit mehr als nur das Setzen blauer Links im Text. Ein strategisch gesetzter Link erfüllt drei entscheidende Funktionen für Ihre Webseite und deren Erfolg bei Google.

1. Discovery (Entdeckung): Google findet Ihre Inhalte
Der Googlebot bewegt sich wie eine Spinne im Netz von Link zu Link. Eine Seite, auf die kein interner Link zeigt, ist für Google quasi unsichtbar. Auch wenn sie in einer XML Sitemap steht, signalisiert das Fehlen von Links eine geringe Bedeutung. Erst wenn Sie eine neue Landingpage im Menü, auf der Startseite oder in einem thematisch passenden Artikel verlinken, wird sie schnell entdeckt und in den Index aufgenommen. Mehr zum Unterschied erfahren Sie in unserem Artikel über Crawling vs. Indexierung.

2. Kontext (Relevanz): Themen werden verknüpft
Interne Links zeigen Google, wie Ihre Inhalte thematisch zusammenhängen. Verlinkt ein Artikel über „Onpage SEO“ auf weitere Detailartikel wie „URL-Struktur“ und „Breadcrumbs“, versteht die Suchmaschine, dass Sie eine hohe thematische Autorität für diesen Bereich besitzen. Sie schaffen logische Cluster, die Ihre Expertise beweisen.

3. Priorität (Wertigkeit): Wichtige Seiten werden gestärkt
Jeder interne Link gibt einen kleinen Teil an „Link-Autorität“ (oft auch „Linkjuice“ genannt) an die verlinkte Seite weiter. Seiten, die viele relevante interne Links von anderen starken Seiten erhalten, werden von Google als wichtiger eingestuft. So können Sie gezielt Ihre „Money Pages“ – also die Seiten, die für Ihr Geschäft am wichtigsten sind (z.B. Leistungs- oder Produktseiten) – stärken.

Für den Nutzer bedeutet das eine klare Führung. Er wird von einer allgemeinen Information zu einer spezifischen Lösung oder dem nächsten logischen Schritt geleitet.

Linktypen in der Praxis (Navigation vs. Kontext vs. Breadcrumbs)

Nicht jeder interne Link ist gleich. Je nachdem, wo ein Link platziert ist, hat er eine andere Wirkung für den Nutzer und die Suchmaschine.

  • Navigation (Hauptmenü & Footer): Diese Links sind auf jeder Seite Ihrer Website präsent. Sie sind extrem wichtig für die Discovery und signalisieren Google die grundlegende Struktur Ihrer Seite. Der Kontext ist jedoch eher breit. Ein Link auf „Dienstleistungen“ im Menü ist weniger spezifisch als ein Link aus einem Text heraus.
  • Breadcrumbs: Wie wir in unserem Breadcrumbs-Guide erklären, zeigen diese Navigationspfade die Hierarchie Ihrer Seite. Sie stärken automatisch die übergeordneten Kategorieseiten und bieten dem Nutzer einen schnellen Rückweg. Sie sind ein essenzielles Werkzeug für die strukturelle Verlinkung.
  • Kontextlinks: Dies sind die Links, die Sie direkt im Fließtext setzen. Sie sind die wertvollsten internen Links. Warum? Weil der umgebende Text und der Anchor Text Google einen extrem präzisen Hinweis auf das Thema der Zielseite geben. Ein Link mit dem Ankertext „strategische interne Verlinkung“ aus einem Absatz über SEO-Strategie ist ein unmissverständliches Relevanzsignal.
  • Related-Module („Ähnliche Artikel“): Diese Boxen am Ende eines Artikels sind gut für die Nutzerführung und können die Linktiefe reduzieren. Ihre SEO-Wirkung ist aber oft geringer als die von Kontextlinks, da sie von Google als weniger redaktionell kuratiert wahrgenommen werden – besonders wenn sie automatisch generiert werden.

Die stärkste Wirkung erzielen Sie durch eine clevere Kombination, bei der Kontextlinks die Hauptrolle spielen.

Hub/Cluster als Standard (für dein Glossar perfekt)

Zufälliges Verlinken bringt nur zufällige Ergebnisse. Um interne Links strategisch zu nutzen, hat sich das Hub-and-Spoke-Modell (oder Hub-und-Cluster-Modell) als extrem effektiv erwiesen. Es ist perfekt geeignet, um thematische Autorität aufzubauen.

Die Logik dahinter:

  1. Der Hub: Dies ist eine zentrale Übersichtsseite zu einem breiten Thema (z.B. unser Artikel über Onpage SEO). Sie fasst die wichtigsten Aspekte zusammen und dient als Verteiler.
  2. Die Cluster (oder Spokes): Dies sind detaillierte Artikel, die jeweils einen spezifischen Aspekt des Hub-Themas beleuchten (z.B. URL-Struktur, Alt-Text, Headings).

Die Verlinkungs-Regeln sind einfach:

  • Der Hub-Artikel verlinkt auf jeden seiner Cluster-Artikel.
  • Jeder Cluster-Artikel verlinkt prominent (am besten in der Einleitung) zurück zum Hub-Artikel.
  • Die Cluster-Artikel verlinken sich untereinander, wo es thematisch sinnvoll ist. Ein Artikel über die URL-Struktur sollte zum Beispiel auf den Artikel über Breadcrumbs verweisen, da beide die Seitenarchitektur betreffen.

Dieses System schafft eine dichte, thematisch fokussierte Vernetzung. Es verhindert Orphan Pages (verwaiste Seiten ohne interne Links) und bündelt die Link-Autorität auf den wichtigen Hub-Seiten.

Linktiefe & Priorisierung (Top-10 / Top-20 Linkplan)

Die Linktiefe (auch Klicktiefe) beschreibt, wie viele Klicks ein Nutzer (oder Google) von der Startseite aus benötigt, um eine bestimmte Seite zu erreichen. Seiten, die tief in der Architektur vergraben sind (z.B. 5 Klicks tief), werden von Google als weniger wichtig erachtet und seltener gecrawlt.

Ihre wichtigsten „Money Pages“ sollten daher eine möglichst geringe Linktiefe haben (ideal: 2–3 Klicks).

So erstellen Sie einen einfachen Linkplan:

  1. Definieren Sie Ihre Top-10-Seiten: Welche Seiten sind für Ihr Geschäft am wichtigsten? Listen Sie diese in einer einfachen Tabelle auf.
  2. Analysieren Sie den Status Quo: Wie viele interne Links haben diese Seiten aktuell? Tools wie der Ahrefs Site Explorer oder Screaming Frog können hier helfen.
  3. Finden Sie relevante Quellseiten: Suchen Sie in Ihrem Blog oder auf anderen Themenseiten nach passenden Stellen, um auf Ihre Top-Seiten zu verlinken. Nutzen Sie dafür die Google-Suche mit dem Befehl site:ihredomain.de "keyword der zielseite".
  4. Setzen Sie die Links: Verlinken Sie Ihre Top-Seiten von diesen Quellseiten mit einem aussagekräftigen Ankertext.
  5. Bonus: URL-Änderungen pflegen: Wenn Sie eine URL ändern, reicht ein 301-Redirect nicht aus. Aktualisieren Sie auch alle internen Links, die auf die alte URL zeigten, damit sie direkt auf das neue Ziel verweisen. Das verhindert unnötige Redirect-Ketten und spart Crawl-Budget.

Sie müssen nicht sofort Ihre gesamte Webseite umkrempeln. Starten Sie mit einem schnellen Check, um die häufigsten Fehler zu finden und zu beheben.

  • Orphan Pages finden: Nutzen Sie einen SEO-Crawler (z.B. Screaming Frog, Sitebulb), um Seiten mit null eingehenden internen Links zu finden. Das sind oft vergessene Landingpages oder alte Blogartikel. Integrieren Sie diese Seiten in Ihre Hub/Cluster-Struktur oder leiten Sie sie um, wenn sie nicht mehr relevant sind. Hier finden Sie mehr zum Thema Orphan Pages.
  • Redirect-Links aufspüren: Dieselben Tools können Ihnen zeigen, welche internen Links auf eine Weiterleitung statt auf die finale URL verweisen. Korrigieren Sie diese Links, um den direkten Weg zu schaffen.
  • Ankertexte prüfen: Vermeiden Sie generische Ankertexte wie „hier klicken“ oder „mehr erfahren“. Der Anchor Text sollte beschreiben, was den Nutzer auf der Zielseite erwartet. Variieren Sie die Formulierungen, um natürlich zu bleiben.
  • Sitemap als Kontrolle: Ihre XML Sitemap ist eine Liste aller URLs, die Sie indexiert haben möchten. Interne Links sind jedoch das, was Google die Priorität dieser URLs lehrt. Vergleichen Sie Ihre wichtigsten Seiten mit der Anzahl der internen Links – gibt es hier eine Diskrepanz?

FAQ: Häufige Fragen zur internen Verlinkung

Wie viele interne Links sollte eine Seite haben?
Es gibt keine magische Zahl. Qualität geht vor Quantität. Ein relevanter Kontextlink ist mehr wert als zehn beliebige Links im Footer. Setzen Sie Links dort, wo sie dem Nutzer einen echten Mehrwert bieten.

Sind Links im Footer sinnvoll?
Footer-Links sind nützlich für wichtige organisatorische Seiten (Impressum, Datenschutz, Kontakt). Für die Stärkung von „Money Pages“ sind sie jedoch weniger effektiv, da Google sie als seitenweite, weniger redaktionelle Links einstuft.

Wie schnell wirkt internes Linking?
Nachdem Google die Änderungen gecrawlt hat, sehen Sie oft innerhalb von 4–8 Wochen erste positive Effekte bei den Impressionen und Rankings der Zielseiten.

Muss jeder Link einen keywordreichen Ankertext haben?
Nein, das würde unnatürlich wirken. Variieren Sie Ihre Ankertexte. Nutzen Sie Synonyme, Phrasen oder auch nur den Markennamen. Der umgebende Text gibt Google genug Kontext.

Sollte ich interne Links auf „nofollow“ setzen?
In 99 % der Fälle: Nein. Das „nofollow“-Attribut verhindert die Weitergabe von Link-Autorität und sollte für interne Links nicht verwendet werden. Es ist ein Werkzeug für ausgehende Links zu Seiten, für die Sie nicht „bürgen“ möchten.

Fazit: Werden Sie zum Architekten Ihrer Webseite

Interne Verlinkung ist eine der mächtigsten Disziplinen im Onpage SEO und ein Grundpfeiler des Technischen SEO. Sie kostet kein Geld, sondern erfordert strategisches Denken und einen klaren Prozess. Wenn Sie die Grundlagen der SEO-Grundlagen beherrschen, ist dies der nächste logische Schritt zur Professionalisierung Ihrer Webseite.

Hören Sie auf, Inhalte ins Leere zu publizieren. Werden Sie zum Architekten, der gezielt Wege baut, um Nutzer und Suchmaschinen zu den wichtigsten Zielen zu führen.

Fühlt sich Ihre Webseite an wie ein Labyrinth ohne Plan?
Wir helfen Ihnen, eine klare Struktur zu schaffen. Mit unserem Interne-Link-Audit + Linkplan identifizieren wir Ihre wichtigsten Seiten, decken verwaiste Inhalte auf und entwickeln eine skalierbare Hub/Cluster-Strategie, die Ihre Rankings nachhaltig verbessert.