Du hast unzählige Stunden in deine Website investiert. SEO-Tools wie Screaming Frog, Ahrefs oder die Google Search Console laufen heiß und geben dir wertvolle Hinweise. Du optimierst Titles, schreibst Content und baust Links auf. Aber trotzdem hast du das Gefühl, dass du nicht das volle Bild siehst. Bestimmte Seiten wollen einfach nicht ranken, und du weißt nicht, warum.
Die meisten SEO-Tools zeigen dir, was passieren sollte. Sie simulieren einen Crawl, analysieren deine Sitemap oder interpretieren die Daten, die Google bereitstellt. Aber was passiert wirklich? Was macht der Googlebot, wenn niemand hinsieht?
Die Antwort auf diese Frage liegt in den Logfiles deines Servers. Sie sind das ungeschminkte Tagebuch deiner Website. Eine Logfile-Analyse ist wie die Installation einer Überwachungskamera im Serverraum. Du siehst jeden einzelnen Schritt, den der Googlebot macht – unzensiert und ehrlich. Wir zeigen dir, warum diese Analyse für ernsthaftes SEO unerlässlich ist und wie du aus den rohen Daten Gold für deine Strategie machst.
Was ist Logfile-Analyse (kurz & klar)?
Jedes Mal, wenn ein Besucher – egal ob Mensch oder Suchmaschinen-Bot – eine Seite, ein Bild oder eine andere Datei von deinem Server anfordert, wird ein Eintrag in einer Textdatei erstellt: dem Logfile.
Eine Logfile-Analyse im SEO-Kontext bedeutet, dass wir diese riesigen Datenmengen filtern und uns gezielt die Einträge der Suchmaschinen-Bots (wie dem Googlebot) ansehen. Wir wollen wissen:
- Wann war der Bot da?
- Welche URLs hat er sich angesehen?
- Wie hat der Server geantwortet?
Warum ist das so wertvoll? Weil es die einzige Quelle der Wahrheit ist.
Stell dir vor, du nutzt ein SEO-Tool, das dir sagt: „Deine neue Landingpage ist gut verlinkt und sollte problemlos gecrawlt werden.“ Du schaust aber in die Logfiles und stellst fest: „Der Googlebot war in den letzten vier Wochen kein einziges Mal auf dieser Seite.“
Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Realität. SEO-Tools geben dir eine Landkarte. Die Logfiles zeigen dir die tatsächliche Route, die der Bot genommen hat – inklusive aller Sackgassen und Umwege.
5 Fragen, die Logs beantworten
Eine Logfile-Analyse liefert keine vagen Vermutungen, sondern harte Fakten. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen zur technischen Gesundheit deiner Website und hilft dir, deine Prioritäten richtig zu setzen.
1. Worauf verschwendet Google sein Crawl Budget?
Die Logfiles zeigen dir schwarz auf weiß, welche Seiten der Googlebot am häufigsten besucht. Oft ist das Ergebnis schockierend. Wir sehen regelmäßig, dass 40 % des Crawl Budgets auf unwichtige Parameter-URLs oder irrelevante Unterseiten entfallen. Diese Zeit fehlt für deine wichtigen Kategorieseiten oder neuen Blogartikel.
2. Welche Fehler sieht Google wirklich?
Die Google Search Console zeigt dir viele Fehler, aber nicht immer alle und nicht in Echtzeit. Die Logfiles offenbaren jeden einzelnen 404- (Seite nicht gefunden) oder 5xx-Fehler (Serverproblem), auf den der Bot stößt. Du siehst, ob der Bot immer wieder versucht, eine alte, längst gelöschte URL zu erreichen.
3. Hängt der Bot in Redirect-Ketten fest?
Du siehst genau, ob der Bot eine URL mit dem Statuscode 301 oder 302 aufruft und wohin er dann weitergeschickt wird. Wenn du siehst, dass der Bot für eine einzige Seite drei oder vier Anfragen braucht, hast du eine Redirect-Kette entdeckt, die dringend gekürzt werden muss.
4. Werden meine wichtigsten Seiten oft genug gecrawlt?
Du hast eine neue „Money-Page“ veröffentlicht. Findet Google sie? Die Logfiles zeigen dir das Datum und die Uhrzeit des ersten und jedes weiteren Crawls. Wenn du siehst, dass deine Top-10-Landingpages nur alle drei Wochen Besuch vom Bot bekommen, deine unwichtigen Tag-Archive aber täglich, läuft etwas grundlegend falsch.
5. Gibt es Probleme mit der internationalen Ausrichtung?
Betreibst du eine mehrsprachige Seite? In den Logs siehst du, ob der Googlebot aus den USA wirklich die englische Version crawlt oder ob er sich auf der deutschen Seite verirrt.
Typische Erkenntnisse → konkrete Maßnahmen
Daten sind nur dann nützlich, wenn sie zu Handlungen führen. Die Logfile-Analyse ist keine akademische Übung. Sie ist die Grundlage für einen glasklaren Maßnahmenplan.
- Erkenntnis: Google crawlt Tausende von Filterkombinationen (
?farbe=rot&groesse=42).- Maßnahme: Passe deine Facetten-Strategie an. Blockiere unwichtige Parameter in der
robots.txtoder setze sie gezielt aufnoindex, um das Crawling auf die wertvollen Seiten zu lenken.
- Maßnahme: Passe deine Facetten-Strategie an. Blockiere unwichtige Parameter in der
- Erkenntnis: Der Bot versucht hunderte Male pro Tag, eine nicht mehr existierende
/alte-kategorie/zu crawlen.- Maßnahme: Prüfe, woher dieser Link kommt. Ist es ein alter externer Link? Dann richte einen 301-Redirect ein. Ist es ein interner Link in deinem Footer? Korrigiere ihn sofort.
- Erkenntnis: Die Serverantworten zeigen bei hoher Last immer wieder 503-Fehler (Service Unavailable).
- Maßnahme: Sprich mit deinem Hoster oder Entwickler. Das ist ein kritisches Problem, das die Stabilität deiner Rankings gefährdet. Deine Infrastruktur muss stabil sein.
- Erkenntnis: Die wichtigsten Produktseiten werden seltener gecrawlt als die „Über uns“-Seite.
- Maßnahme: Verbessere die interne Verlinkung. Verlinke deine Money-Pages prominenter von der Startseite und aus dem Content heraus, um Google zu signalisieren: „Das hier ist wichtig!“
- Erkenntnis: Die XML-Sitemap enthält URLs, die der Bot noch nie gecrawlt hat.
- Maßnahme: Prüfe diese URLs. Sind sie vielleicht auf
noindexgesetzt oder durch dierobots.txtblockiert? Deine Sitemap sollte nur saubere, erreichbare URLs enthalten.
- Maßnahme: Prüfe diese URLs. Sind sie vielleicht auf
Quickstart: Wann lohnt sich Logfile-Analyse wirklich?
Der Zugriff auf Logfiles und ihre Auswertung bedeuten Aufwand. Lohnt sich das für jede Website? Wir sagen ehrlich: nicht immer.
Eine Logfile-Analyse ist fast unverzichtbar, wenn:
- Deine Website sehr groß ist (mehrere 10.000 URLs). Hier ist das Crawl-Budget immer ein Thema.
- Du einen Online-Shop betreibst und mit Filtern, Parametern und Varianten kämpfst.
- Du unerklärliche Indexierungsprobleme hast. Du veröffentlichst Inhalte, aber sie tauchen einfach nicht bei Google auf.
- Du einen Relaunch oder eine Migration planst oder gerade hinter dir hast. Nichts deckt die Fehlerpfade, die ein Bot nach einem Relaunch nimmt, so schonungslos auf wie die Logs. Wenn dein Traffic nach einem Relaunch einbricht, sind die Logfiles oft der Schlüssel zur Lösung.
Wann kannst du darauf verzichten?
Wenn du einen kleinen Unternehmensblog mit 150 Seiten betreibst und keine technischen Probleme hast, ist eine Logfile-Analyse wahrscheinlich übertrieben. Hier reichen die Daten aus der Google Search Console meist aus.
FAQ: Häufige Fragen zur Logfile-Analyse
Brauche ich eine Logfile-Analyse als kleines oder mittleres Unternehmen (KMU)?
Wenn deine Website technisch sauber ist und weniger als ein paar tausend Seiten hat, wahrscheinlich nicht. Wenn du aber einen Shop betreibst oder dein Geschäft stark von der Website abhängt und du auf unerklärliche Probleme stößt, kann es sich absolut lohnen, einmalig eine Analyse durchzuführen, um die Basis zu prüfen.
Woran erkenne ich einen Bot im Logfile?
Jeder Eintrag im Logfile enthält einen „User-Agent“, der sich identifiziert. Der Googlebot meldet sich zum Beispiel als „Googlebot“. Um sicherzugehen, dass es sich nicht um einen gefälschten Bot handelt, führen Profis eine „Reverse DNS Lookup“-Prüfung durch. Damit wird verifiziert, dass die Anfrage wirklich von einer Google-IP-Adresse kam.
Welche Tools brauche ich dafür?
Logfiles sind riesig. Du kannst sie nicht mit einem Texteditor öffnen. Du brauchst spezielle Tools wie Screaming Frog Log File Analyser, Logz.io oder die ELK-Stack-Lösung. Oft ist es sinnvoll, diese Analyse von einer spezialisierten Agentur durchführen zu lassen.
Fazit: Höre auf zu raten, fange an zu wissen
Die Logfile-Analyse ist die Königsdisziplin im technischen SEO. Sie trennt die Spreu vom Weizen und ersetzt Vermutungen durch unumstößliche Fakten. Du siehst deine Website nicht mehr durch die Brille eines Tools, sondern direkt durch die Augen des Googlebots.
Wenn du wirklich verstehen willst, wie Google mit deiner Seite interagiert, wo Ressourcen verschwendet werden und wo die wahren technischen Bremsklötze liegen, kommst du an den Logfiles nicht vorbei. Es ist der direkteste Weg, um deine Crawl-Effizienz zu maximieren und sicherzustellen, dass deine besten Inhalte die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.
