Orphan Pages

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Ferenc Collinet

Haben Sie schon einmal eine brillante Landingpage gebaut oder einen tiefgründigen Artikel geschrieben, nur um festzustellen, dass er einfach keinen Traffic bekommt? Sie prüfen die Keywords, optimieren die Bilder, aber die Seite bleibt unsichtbar. Der Grund dafür ist oft kein schlechter Inhalt, sondern schlichte Isolation.

Diese unsichtbaren Seiten sind in der SEO-Welt als „Orphan Pages“ oder verwaiste Seiten bekannt. Sie sind wie ein Haus ohne Zufahrtsstraße: schön anzusehen, aber für niemanden erreichbar.

Diese Seiten sind ein stiller Performance-Killer. Sie fehlen in der internen Linkstruktur, was ihre Entdeckung, Einordnung und Priorisierung durch Google massiv erschwert. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese digitalen Waisenkinder finden, ihren Wert bewerten und sie strategisch integrieren oder sauber entfernen.

Was ist eine Orphan Page (mit typischen WP-Beispielen)?

Eine Orphan Page ist eine URL auf Ihrer Webseite, auf die kein einziger interner Link von einer anderen Seite verweist. Weder das Hauptmenü, noch der Footer, noch ein Link im Fließtext zeigt auf sie. Der einzige Weg, wie Google von ihrer Existenz erfahren könnte, ist oft über eine XML Sitemap.

Es ist wichtig, zwischen echten Orphans (0 interne Links) und Seiten mit sehr wenigen Links zu unterscheiden. Beides ist nicht optimal, aber echte Waisenkinder sind ein dringenderes Problem.

In WordPress entstehen diese Seiten oft unbemerkt:

  • Kampagnen-Landingpages: Sie erstellen eine spezielle Seite für eine Google-Ads-Kampagne. Nach Ende der Kampagne wird der Link aus der Anzeige entfernt, und die Seite ist verwaist.
  • Veraltete Blogartikel: Ein Beitrag von 2017, der damals aktuell war, aber nie in die neue Seitenstruktur integriert wurde.
  • WordPress-Anhangseiten: Jedes Mal, wenn Sie ein Bild hochladen, erstellt WordPress standardmäßig eine eigene „Attachment Page“ dafür. Wenn Sie nicht aufpassen, haben Sie hunderte dieser dünnen, nutzlosen Seiten ohne Links.
  • „Danke“-Seiten: Nach einer Newsletter-Anmeldung oder einem Kauf landet der Nutzer auf einer Bestätigungsseite. Diese ist wichtig für das Tracking, aber oft von nirgendwo sonst verlinkt.

Diese Seiten sind nicht per se schlecht, aber ihre Isolation verhindert, dass sie ihr volles Potenzial entfalten können.

Warum Orphans SEO kosten (Discovery, Kontext, Priorität)

Seiten ohne interne Links sind für Suchmaschinen aus drei Gründen ein Problem. Sie torpedieren die Kernfunktionen, die eine gute interne Verlinkung ausmachen.

  1. Fehlende Discovery (Entdeckung): Der Googlebot navigiert durch Ihre Webseite, indem er von Link zu Link springt. Findet er keinen Link zu einer Seite, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass er sie überhaupt crawlt. Selbst wenn die Seite in der Sitemap steht, ist das Signal schwach. Ohne Crawling keine Indexierung, ohne Indexierung keine Rankings. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag zu Crawling vs. Indexierung.
  2. Fehlender Kontext: Interne Links zeigen Google, wie Ihre Inhalte thematisch zusammenhängen. Ein Link von einem Artikel über „Onpage SEO“ zu „Orphan Pages“ signalisiert eine klare Verbindung. Einer verwaisten Seite fehlt dieser Kontext komplett. Google weiß nicht, wie es diese Seite thematisch einordnen und bewerten soll.
  3. Fehlende Priorität: Die Anzahl und Qualität der internen Links, die auf eine Seite zeigen, sind ein starkes Signal für deren Wichtigkeit. Eine Seite ohne Links signalisiert Google: „Diese Seite ist unwichtig.“ Folglich erhält sie kaum „Link-Autorität“ und hat es im Wettbewerb um gute Rankings extrem schwer.

Das Ergebnis ist eine Seite, die selten gecrawlt wird, deren Thema unklar bleibt und die als unwichtig eingestuft wird. Das sind die schlechtesten Voraussetzungen für organischen Traffic.

Orphans finden: 3 pragmatische Methoden

Um das Problem zu lösen, müssen Sie Ihre verwaisten Seiten erst einmal finden. Verlassen Sie sich dabei nicht auf manuelles Klicken. Nutzen Sie eine Kombination aus diesen drei Wegen:

  1. SEO-Crawler nutzen (z.B. Screaming Frog):
    Das ist die zuverlässigste Methode. Ein Tool wie Screaming Frog crawlt Ihre Webseite genau wie Google, indem es den Links folgt. Anschließend können Sie diese Liste mit einer zweiten Quelle (z.B. einem Export aller URLs aus der Google Search Console oder Ihrer Sitemap) abgleichen. Jede URL, die in der zweiten Quelle existiert, aber nicht im Crawl auftaucht, ist ein potenzieller Orphan. Die meisten Tools bieten dafür eine eingebaute Funktion.
  2. Google Search Console analysieren:
    Gehen Sie in der GSC zu „Leistung“ > „Seiten“. Exportieren Sie die Liste aller URLs, die in den letzten Monaten mindestens eine Impression erhalten haben. Vergleichen Sie diese Liste mit Ihrem Crawl-Report. URLs, die Impressionen bekommen, aber im Crawl nicht auftauchen, sind oft Orphans, die Google nur über die Sitemap oder externe Backlinks gefunden hat.
  3. WordPress-Plugins oder Datenbankabfragen:
    Es gibt spezielle WordPress-Plugins, die Berichte über interne Links erstellen können. Für technisch versierte Nutzer ist auch eine direkte Datenbankabfrage möglich, um Seiten ohne eingehende Verlinkungen zu identifizieren. Diese Methode ist oft schneller, aber weniger präzise als ein vollwertiger Crawl.

Am Ende sollten Sie eine klare Liste mit URLs haben, die als Orphan Pages identifiziert wurden. Diese Liste ist Ihr Arbeitsdokument.

Fix-Entscheidung: verlinken vs. redirect vs. noindex vs. löschen

Jetzt haben Sie Ihre Liste. Bloßer Aktionismus wie „einfach alles löschen“ wäre fatal. Jede URL muss einzeln bewertet werden. Stellen Sie sich für jede Seite diese Fragen:

  • Hat die Seite einen Business-Wert? Bringt sie Leads, Verkäufe oder wichtigen Traffic?
  • Ist der Inhalt noch aktuell und relevant?
  • Handelt es sich um Duplicate Content oder Thin Content?
  • Hat die Seite externe Backlinks? (Prüfen mit Ahrefs, Semrush etc.)

Basierend auf den Antworten gibt es vier Lösungswege:

  1. Verlinken (Integrieren):
    • Wann? Wenn der Inhalt wertvoll, relevant und einzigartig ist.
    • Wie? Integrieren Sie die Seite in Ihre Hub-und-Cluster-Struktur. Verlinken Sie sie von thematisch passenden Artikeln, Kategorieseiten oder der Hauptnavigation. Ziel ist es, die Seite logisch in die Seitenarchitektur einzubinden.
  2. Redirect (301-Weiterleitung):
    • Wann? Wenn der Inhalt veraltet ist, es aber eine neuere, bessere Version gibt. Oder wenn die Seite zwar keinen Wert mehr hat, aber externe Backlinks besitzt.
    • Wie? Richten Sie einen permanenten 301-Redirect auf die relevanteste, aktuellste Seite ein. So vererben Sie die Linkkraft der Backlinks und führen Nutzer, die über alte Links kommen, nicht ins Leere.
  3. Noindex (Aus dem Index nehmen):
    • Wann? Für „Utility“-Seiten, die für den Nutzer, aber nicht für die organische Suche gedacht sind (z.B. Danke-Seiten, interne Suchergebnisseiten, Admin-Logins).
    • Wie? Setzen Sie den Meta-Tag noindex auf die Seite. Sie bleibt erreichbar, erscheint aber nicht mehr in den Google-Suchergebnissen. Mehr dazu finden Sie in unserem Guide zu Noindex/Nofollow.
  4. Löschen (404/410):
    • Wann? Nur für Seiten, die absolut keinen Wert haben, keinen Traffic bringen, keine Backlinks besitzen und deren Inhalt überflüssig ist (z.B. alte Testseiten, leere Tag-Archive).
    • Wie? Löschen Sie die Seite. Sie wird dann einen 404-Fehler (nicht gefunden) oder 410-Fehler (permanent entfernt) ausgeben. Das ist ein klares Signal an Google, die Seite aus dem Index zu entfernen.

Orphans verhindern: Prozess + Redaktionsregeln

Reagieren ist gut, präventiv handeln ist besser. Etablieren Sie feste Regeln in Ihrem Redaktionsprozess, damit verwaiste Seiten gar nicht erst in großer Zahl entstehen.

  • Das „Publish-Gate“: Kein neuer Artikel geht live, ohne dass er an mindestens drei relevanten Stellen intern verlinkt ist.
  • Hub-Pflicht: Jeder neue Inhalt muss einer bestehenden Hub-Seite zugeordnet und von dort verlinkt werden.
  • Monatlicher Link-Sprint: Planen Sie monatlich eine Stunde ein, um die internen Verlinkungen der zuletzt veröffentlichten Artikel zu prüfen und zu optimieren.
  • Checkliste im Briefing: Nehmen Sie den Punkt „Interne Verlinkung planen“ fest in das Briefing für neue Inhalte auf.

Diese Prozesse sind Teil eines professionellen Technisches SEO-Managements und sorgen dafür, dass Ihre Seitenstruktur sauber und skalierbar bleibt.

FAQ: Häufige Fragen zu Orphan Pages

Sind PDFs auch Orphan Pages?
Ja, sehr oft. Wenn Sie wichtige PDFs anbieten (z.B. Preislisten, Whitepaper), stellen Sie sicher, dass diese von relevanten Seiten verlinkt werden und nicht nur als Download existieren.

Wie schnell wirkt ein Fix?
Nachdem Sie eine Seite verlinkt haben, muss Google sie erst neu crawlen. Je nach Wichtigkeit Ihrer Webseite kann es einige Tage bis mehrere Wochen dauern, bis Sie positive Effekte bei den Impressionen und Rankings sehen.

Was ist mit Tag-Archiven in WordPress?
WordPress-Tags können nützlich sein, erzeugen aber oft eine Masse an dünnen Archivseiten, die kaum jemand verlinkt. Wenn Sie Tags nicht strategisch nutzen, sollten Sie sie auf noindex setzen, um die Entstehung von Orphans und Thin Content zu vermeiden.

Noindex oder Redirect – was ist besser?
Wenn es eine thematisch passende Zielseite gibt, ist ein Redirect fast immer besser, da er Nutzer und Link-Autorität weiterleitet. Noindex ist die Wahl für Seiten, die zugänglich bleiben sollen, aber nicht in der Suche erscheinen müssen.

Fazit: Machen Sie Ihre Inhalte sichtbar

Orphan Pages sind kein Zeichen von schlechtem Content, sondern von fehlender Struktur. Sie sind das Symptom einer Webseite, die organisch gewachsen ist, ohne einen klaren Bauplan zu verfolgen.

Indem Sie diese verwaisten Seiten aufspüren und strategisch behandeln, räumen Sie nicht nur Ihre Webseite auf. Sie stellen sicher, dass jede wertvolle Seite die Chance bekommt, von Nutzern und Suchmaschinen gefunden zu werden. Sie geben Ihren Inhalten die Straßen, die sie verdienen.

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