Jeder kennt sie: die kleinen Zahlen am Ende einer langen Liste von Blogartikeln oder Produkten in einem Online-Shop. Seite 1, 2, 3… Klick. Diese Aufteilung von Inhalten nennt man Pagination. Und obwohl sie so alltäglich ist, ranken sich um kaum ein SEO-Thema so viele Mythen und veraltete Ratschläge.
„Du musst alle paginierten Seiten auf noindex setzen!“ oder „Kanonisiere immer alles auf Seite 1!“ – solche pauschalen Aussagen hören wir immer wieder. Doch oft sind sie nicht nur falsch, sondern können Ihrer Webseite sogar schaden. Sie können dazu führen, dass Google wertvolle Inhalte nicht mehr findet oder wichtige Rankings verloren gehen.
Pagination ist kein Fehler, den man beheben muss, sondern ein Werkzeug, das man richtig einsetzen sollte. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einer modernen Strategie Ihre Archive und Listen so aufbereiten, dass Nutzer und Suchmaschinen gleichermaßen zufrieden sind – ohne in die Fallen alter Dogmen zu tappen.
Was ist Pagination (und wo kommt sie vor)?
Pagination, oder auf Deutsch Paginierung, ist nichts anderes als die Aufteilung einer langen Liste von Inhalten auf mehrere Seiten. Statt dem Nutzer 200 Blogartikel oder 500 Produkte auf einer einzigen, endlos langen Seite zu präsentieren, wird die Liste in verdauliche Häppchen unterteilt.
In der Praxis begegnet sie Ihnen ständig:
- Blog-Kategorien: Sie klicken auf eine Kategorie wie „Ratgeber“ und sehen die ersten 10 Artikel. Am Ende der Seite finden Sie den Link zur „Seite 2“.
- Online-Shops: Eine Produktliste für „Herrenschuhe“ wird auf mehrere Seiten aufgeteilt.
- Glossare & Foren: Lange Listen von Begriffen oder Diskussionen werden ebenfalls paginiert, so wie hier bei uns zum Beispiel unter
/glossar/page/2/. - „Load more“-Buttons: Eine moderne Variante, bei der neue Inhalte per Klick nachgeladen werden, oft ohne dass sich die URL ändert. Aus SEO-Sicht ist das eine spezielle Form der Pagination.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Filterung. Wenn Sie in einem Shop nach roten Schuhen in Größe 42 filtern, ist das keine Pagination. Das ist eine Faceted Navigation. Pagination ist immer die sequenzielle Aufteilung einer festen Liste.
Was soll ranken – und was dient „nur“ der Discovery?
Bevor wir über technische Details sprechen, müssen wir die strategische Frage klären: Was ist eigentlich das Ziel?
In den meisten Fällen ist Seite 1 einer Kategorie oder eines Archivs die primäre Landingpage. Diese Seite sollte für den übergeordneten Begriff ranken (z. B. die Kategorie „SEO Glossar“ für die Suchanfrage „SEO Glossar“). Sie ist die Einstiegsseite und sollte entsprechend optimiert sein: mit einem einleitenden Text, klaren Überschriften und den wichtigsten Inhalten ganz oben.
Die Folgeseiten (Seite 2, 3, 4, …) haben selten eine eigene, relevante Suchintention. Kaum jemand sucht bei Google gezielt nach „Herrenschuhe Seite 7“. Ihre Hauptaufgabe ist die Discovery: Sie dienen als Brücke, damit Google (und Nutzer) die tiefer liegenden Inhalte, also die einzelnen Produkte oder Artikel, finden kann.
Wenn Sie nun alle Folgeseiten pauschal auf noindex setzen, kappen Sie diese Brücke. Google folgt den Links auf diesen Seiten möglicherweise seltener oder gar nicht mehr. Die Folge: Ihre neuesten Blogartikel oder Produkte werden schlechter gefunden.
Canonical & Noindex: Entscheidungshilfe (nicht dogmatisch)
Hier wird es technisch. Wie sagen wir Google, wie es mit den paginierten Seiten umgehen soll? Es gibt keine Einheitslösung, aber eine klare Logik.
Self-Canonical: Die sichere Standardlösung
In den meisten Fällen ist die beste Lösung, dass jede paginierte Seite auf sich selbst verweist. Das nennt man einen selbstreferenzierenden Canonical Tag.
- Seite
/kategorie/hat den Canonicalhref="/kategorie/". - Seite
/kategorie/page/2/hat den Canonicalhref="/kategorie/page/2/".
Das signalisiert Google: „Diese Seite ist das Original ihrer selbst. Es gibt keine andere, bevorzugte Version.“ Dies ist die sauberste Methode, um Duplicate-Content-Probleme zu vermeiden und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Links auf den Folgeseiten für die Discovery gewertet werden. Mehr zu diesem wichtigen Tag erfahren Sie in unserem Artikel über den Canonical Tag.
Wann ist ein noindex sinnvoll?
Ein noindex-Tag auf den Folgeseiten kann in manchen Fällen sinnvoll sein, aber Sie sollten die Konsequenzen kennen.
- Sinnvoll, wenn: Ihre Webseite extrem groß ist und Sie Ihr Crawl-Budget schonen müssen, oder wenn die Folgeseiten sehr wenig einzigartigen Inhalt bieten und als „Thin Content“ gewertet werden könnten.
- Gefährlich, weil: Sie Google bitten, diese Seiten aus dem Index zu werfen. Das kann die Discovery Ihrer tieferen Inhalte beeinträchtigen. Kombinieren Sie niemals
noindexmit einer Blockade in der robots.txt. Google muss die Seite crawlen dürfen, um dennoindex-Tag zu sehen.
Der alte Ratschlag, paginierte Seiten immer auf noindex zu setzen, ist heute überholt und oft schädlich. Hier finden Sie Details zum Noindex-Tag.
Die gefährliche Falle: Alles auf Seite 1 kanonisieren
Ein häufiger Fehler ist es, alle Folgeseiten (/page/2/, /page/3/ etc.) per Canonical Tag auf die erste Seite (/page/1/) zu verweisen. Damit sagen Sie Google: „Ignoriere den Inhalt dieser Folgeseiten, der einzig relevante Inhalt steht auf Seite 1.“ Das Ergebnis: Google hört auf, die Links auf den Folgeseiten zu werten, und Ihre tiefer liegenden Artikel oder Produkte verlieren an Sichtbarkeit.
Titles/Metas & interne Links bei Pagination
Die technische Steuerung ist nur die halbe Miete. Auch die Inhalte selbst müssen sauber aufbereitet sein, um Probleme zu vermeiden.
1. Eindeutige Title-Tags:
Ihre paginierten Seiten sollten keine identischen Title-Tags haben. Das erzeugt „Duplicate Titles“-Fehler in SEO-Audits. Eine einfache und effektive Lösung ist, die Seitenzahl hinzuzufügen.
- Schlecht:
- Seite 1: „SEO Glossar | Firma“
- Seite 2: „SEO Glossar | Firma“
- Gut:
- Seite 1: „SEO Glossar: Alle Begriffe erklärt | Firma“
- Seite 2: „SEO Glossar – Seite 2 | Firma“
2. Meta Descriptions:
Auch die Meta Description sollte nicht auf allen Seiten identisch sein. Sie können die Seitenzahl ebenfalls integrieren oder für die Folgeseiten eine leicht abgewandelte, generische Beschreibung verwenden.
3. Klare interne Links:
Die Paginierungslinks selbst müssen saubere <a href="...">-Tags sein. Bei modernen „Load more“-Buttons, die oft mit JavaScript arbeiten, ist es entscheidend, dass es trotzdem eine erreichbare URL für jede „nächste Seite“ gibt (z.B. /kategorie/page/2/). Ohne diese Verlinkung sind die nachgeladenen Inhalte für Google unsichtbar. Mehr dazu erfahren Sie im Bereich JavaScript SEO. Eine solide interne Verlinkung ist hier das A und O.
Pagination vs. Faceted Navigation (Filter): die saubere Abgrenzung
Diese Verwechslung führt oft zu den größten SEO-Problemen, besonders in Shops.
- Pagination ist sequenziell. Es ist wie das Umblättern in einem Buch. Die URL-Struktur ist meist
.../page/2/. - Faceted Navigation (Filter) erzeugt Parameter-Kombinationen. Ein Nutzer wählt „rote Schuhe“ in „Größe 42“. Die URL sieht dann oft so aus:
...?color=red&size=42.
Diese Filter-URLs können eine explosionsartige Menge an neuen URLs erzeugen, von denen die meisten keinen einzigartigen Inhalt bieten und nicht indexiert werden sollten. Dies ist ein Problem der Parameter-URLs und der Faceted Navigation, das eine völlig andere Lösungsstrategie erfordert als die einfache Listen-Paginierung.
FAQ: Häufige Fragen zur Pagination
Soll ich Seite 2 bis N generell auf noindex setzen?
Nein, in den meisten Fällen ist das keine gute Idee. Sie riskieren, dass Google die Inhalte auf diesen Seiten schlechter entdeckt. Ein selbstreferenzierender Canonical ist meist die bessere Wahl.
Was ist bei „Load more“-Buttons zu beachten?
Stellen Sie sicher, dass es für jede nachgeladene Sektion eine echte, verlinkte URL gibt, die der Googlebot crawlen kann. Reines JavaScript-Nachladen ohne href-Attribut ist für SEO oft unsichtbar.
Ist es sinnvoll, alle paginierten Seiten auf Seite 1 zu kanonisieren?
Nein, das ist einer der häufigsten und schädlichsten Fehler. Sie entwerten damit die Folgeseiten und die darauf verlinkten Inhalte.
Brauche ich noch rel="next/prev"?
Nein. Google hat 2019 offiziell bestätigt, dass diese Link-Attribute seit Jahren nicht mehr zur Indexierungs-Steuerung verwendet werden. Sie schaden nicht, aber sie nutzen auch nichts mehr.
Fazit: Denken Sie in Systemen, nicht in Dogmen
Pagination ist kein technischer Fehler, sondern ein notwendiges Feature für benutzerfreundliche Webseiten. Die SEO-Herausforderung besteht darin, ein System zu schaffen, das sowohl die Hauptkategorieseite für Rankings stärkt als auch die Entdeckung aller tieferen Inhalte sicherstellt.
Pauschale Regeln sind hier fehl am Platz. Analysieren Sie Ihre Seitenstruktur und entscheiden Sie auf Basis einer klaren Logik. Meistens ist ein sauberes Setup mit selbstreferenzierenden Canonicals und eindeutigen Title-Tags der Königsweg.
Sind Sie unsicher, ob Ihre Shop-Kategorien, Ihr Blog-Archiv oder Ihre Listings SEO-konform paginiert sind?
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